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von konkret

Gesamtdeutsche Angelegenheit

1983 veranstaltete er als Aktivist der BND-Außenstelle »Jenaer Friedensgemeinschaft« Aufläufe für »Schwerter zu Pflugscharen«, heute steht er seiner Überzeugung treu auf der Lohnliste einer Firma, die statt Schwertern Pflugzeuge zur Bombardierung aller Welt schmiedet. Der »Welt am Sonntag« klagte dieser Roland Jahn, nach Gauck und Birthler dritter »Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde«:

Die Aufarbeitung des Wirkens der Stasi ist eine gesamtdeutsche Angelegenheit. Selbst die nur lückenhaft vorhandenen Unterlagen zur Westarbeit der Stasi zeigen immer wieder, wie wichtig es der DDR war, auf die westdeutsche Politik in ihrem Sinne Einfluß zu nehmen.

Es war der DDR wichtig, Einfluß auf die westdeutsche Politik zu nehmen? Hat man Töne! Und das, obwohl die BRD es sorgsam vermieden hat, Einfluß in der DDR zu nehmen. Wahlkampf, wie Merkel für Sarkozy, hat Honecker für Herbert Mies dann doch nicht gemacht – aaaber:

Dazu hat die Stasi die Hilfe westdeutscher Bürger gesucht und immer wieder auch Helfer gefunden. Es ist wichtig, daß die, die beteiligt waren, die als Mitarbeiter der Staatssicherheit oder die unter der Regie der Stasi gehandelt haben, zur Aufarbeitung beitragen und ihre Karten auf den Tisch legen.

Ein zu und zu süßer Racker, dem man einfach nichts abschlagen kann. KONKRET, beispielsweise, und sein Herausgeber haben der DDR gegen die BRD und ihre Gaucks, Birthlers und Jahns, so gut sie konnten, zu helfen gesucht, und hätten dem Ministerium für Staatssicherheit jeden Wunsch erfüllt, die Katastrophe abzuwenden, die 1989 eingetreten ist und zur Folge hatte, daß Deutschland sich den Rest Europas unterwerfen konnte nach dem Rezept von Wolfgang Neuss: »Wir schaffen es / ohne Waffen-SS.« Das Ministerium für Staatssicherheit zu bewegen, unter unserer Regie der evangelischen Kirche und ihren Pfaffen das Handwerk zu legen, ist leider mißlungen. Aus einigen lückenhaften Karten, die sich unter einem Fuß von Jahns wackligem Schreibtisch dürften finden lassen, ein Kartenhaus aufzuarbeiten, werden die Damen und Herren Pazifisten zu Land, Luft und See ohne unsere Hilfe schaffen.

 

Qualitätsjournalismus

Ein KONKRET-Autor, dem der allzu brave Umgang der DDR mit den Evangelimännern ein oft und laut geäußertes Ärgernis bedeutete, war der im März letzten Jahres von einem Autofahrer ums Leben gebrachte Günter Amendt. Anläßlich seines Todes hatten die Medien (von der »FAZ« über den »Spiegel«, den »Freitag«, die »Zeit«, die »Frankfurter Rundschau«, die »Süddeutsche Zeitung« bis tief hinab zur »Tageszeitung«) jedes für sich und alle miteinander die Pointe erdichtet, Amendt, »einer der schärfsten Kritiker der offiziellen Drogenpolitik«, sei Opfer eines »unter Drogeneinfluß stehenden Fahrers« geworden und damit an seinem Tod auf tragische Weise irgendwie auch selbst schuld (siehe »Gremlizas Express« 5/11). Gut ein Jahr danach, am 5. Juni 2012, hat nun das Landgericht Hamburg den – laut »Jungle World« damals – »38jährigen, bekifften Immobilienkaufmann« zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt: nicht wegen Drogenkonsums, sondern weil er, wie die Richterin sagte, im Wissen um seine Erkrankung an Epilepsie deren mögliche Auswirkungen auf sein Verhalten als Fahrer und dessen Folgen, die Tötung anderer Verkehrsteilnehmer, in Kauf genommen habe. Darüber haben alle berichtet, keines der Medien jedoch, um bei dieser Gelegenheit seinen damaligen Schmonzes zu widerrufen oder gar zu bereuen. Ein rechtes Scheißgewerbe ist das.

 

Wer hat noch nicht

Ende April erschienen, drei Wochen später bereits vergriffen: Der von Hermann L. Gremliza herausgegebene konkret-texte-Band No way out? 14 Versuche, die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise zu verstehen mußte bereits nachgedruckt werden und liegt nun in 2. Auflage vor. Mit Beiträgen von Dietmar Dath, Thomas Ebermann, Georg Fülberth, Sam Gindin, Werner Heine, Michael Heinrich, Thomas Kuczynski, Robert Kurz, JustIn Monday, Leo Panitch, Moishe Postone, Rainer Trampert, Joseph Vogl und Sahra Wagenknecht. Der Band hat 192 Seiten und kostet 19,80 Euro. Er kann über jede Buchhandlung bezogen, aber auch beim Verlag (+ Porto) bestellt werden.

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