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Western

25.08.2017 10:54

Regie: Valeska Grisebach; mit Meinhard Neumann, Reinhardt Wetrek, Syuleyman Alilov Letifov; Deutschland 2017 (Komplizen-Film); 121 Minuten; seit 24. August im Kino

Direkt aus der heruntergekommenen Sammelunterkunft geht es für eine Gruppe deutscher Bauarbeiter ins bulgarisch-griechische Grenzgebiet, wo sie für ein größeres Bauvorhaben die Infrastruktur schaffen sollen – mit schwerem Gerät und viel Körpereinsatz. Die Männer leben in einer Hütte in der Nähe der Baustelle. Erste Kontakte mit der einheimischen Bevölkerung am Fluss verlaufen unglücklich und sorgen für Verstimmungen.

Die Reisefreudigen unter den deutschsprachigen Filmemacher/innen begeben sich gerne mal auf Erkundungsreise gen Osten: nach Tschechien, in die Slowakei, die Ukraine oder nach Rumänien. Erinnert sei nur an Filme wie »Blue Moon« (2002), »Slumming« (2006), »Import/Export« (2007) oder »Toni Erdmann« (2016). Mit Bildern und Konstellationen ihrer TV-Western-Sozialisation im Kopf hat Valeska Grisebach (»Sehnsucht«) die »frontier« mit mehr als überzeugenden Ergebnissen in den Wilden Osten verlegt. Im Gegensatz zu Thomas Arslan (»Gold«) kann Grisebach durch das klug gewählte Setting auf historische Kostümierung verzichten und einen »modernen Western« drehen. Hier wird einerseits mit modernen Baumaschinen das agrarisch geprägte Hinterland urbar gemacht, andererseits auf Pferden geritten, Flagge gezeigt und Tauschhandel mit den Eingeborenen betrieben. Die Sprachbarriere erfordert besondere Sensibilität, Zurückhaltung und Respekt im interkulturellen Umgang – Qualitäten, die unterschiedlich ausgeprägt sind, was innerhalb der Männergruppe schnell zu Reibereien und Rivalitäten führt. Allesamt Motive und Konflikte, die unzählige Western ausbuchstabiert haben, aber auch hier bestens und höchst unterhaltsam tragen, unterstützt und befördert durch die immer wieder überraschende und den Blick öffnende Bildgestaltung Bernhard Kellers.

Dass die Regisseurin komplett auf Laiendarsteller setzt, verleiht dem ruhigen Bilderfluss zudem dokumentarische Qualitäten. »Western« ist ein genau beobachteter Film über Männer mit Statusinkonsistenzen, die »auf Montage« in der Fremde teilweise eine etwas altmodisch erscheinende Form von Männlichkeit »genießen« oder dies als Selbstentwurf zumindest versuchen. Andererseits – und dies ist die Pointe von »Western « – sind die Frontier-Erfahrung der Bauarbeiter und die Stimmigkeit der Westernmotive für den Zuschauer immer als Projektion erkennbar: ein bewusst konstruiertes Narrativ, ein Rollenspiel mit Ungleichzeitigkeiten – Resultat der hintersinnigen Konstruktion Grisebachs.

Ulrich Kries

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