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Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

26.01.2018 10:37

Regie: Martin McDonagh; mit Frances McDormand, Woody Harrelson; Großbritannien/USA 2017 (Fox); 115 Minuten; seit 25. Januar im Kino

Auch auf die Gefahr hin, unprofessionell zu wirken: Es gibt einen bestechenden Grund, sich Martin McDonaghs Kleinstadt-Noir anzusehen, unabhängig davon, was man von dessen kauziger Selbstjustiz-Western-Komödien-Stimmung hält. Dieser Grund ist Frances McDormand im allgemeinen und ihre Frisur im speziellen. Ihre Darstellung der unbeugsamen, unverschämten, unerschütterlichen Rächerin Mildred Hayes ist ihrer bisherigen Großtat als schwangere Polizistin in »Fargo« absolut ebenbürtig – und ihr Undercut ist die coolste Frisur einer Kinoprotagonistin seit Mia Farrows Bubikopf in »Rosemary’s Baby«.

Mildred arbeitet im örtlichen Souvenirshop, hat ein loses Mundwerk und legt sich gerne mit jedem an, der ihr dumm kommt – eine Eigenschaft, die sie wohl auch auf die zweifelhafte Idee bringt, drei große Werbetafeln am Stadteingang zu mieten und dort in riesigen Buchstaben den Sheriff (Woody Harrelson) der Stadt für seine vermeintliche Untätigkeit bei der Suche nach dem Mörder und Vergewaltiger ihrer Tochter anzuklagen. Wie zu erwarten, lässt die Reaktion der stumpfen Kleinstadtbullen nicht lange auf sich warten, und sie fällt nicht eben freundlich aus – allen voran versucht der aggressive Deputy Dixon die unliebsame Störenfriedin durch Einschüchterung zum Schweigen zu bringen. Der Sheriff verspürt durchaus Sympathien für Mildreds Feldzug, hat aber seine eigenen Probleme: Bauchspeicheldrüsenkrebs im Endstadium.

Was den Film auszeichnet, ist sein ambitionierter Versuch der Multiperspektivität: Keine zentrale Figur bleibt moralisch eindimensional, da sich der Regisseur und Autor jeder einzelnen Sichtweise annimmt und sie zu verstehen und einzuordnen sucht. Zum Glück hat der britische Filmemacher seine unglückliche Tarantino-Imitation aus dem Vorgänger »7 Psychos« aufgegeben; so gelingen ihm hier viele tragisch-komische Momente, die sich aus einer sichtbaren Sympathie für alle seine Figuren speisen. Vor allem gegen Ende übertreibt er mit den Twists und Stimmungswandeln deutlich; mit McDormand als Anker aber gelingt die Hinterland- Moritat dennoch.

Tim Lindemann

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