Aktuelles

aboprämie

To watch this video, you need the latest Flash-Player and active javascript in your browser.

Tomayers Video-Tagebuch

No-Go-Area Deutschland

Filmkritiken

Termine

Spot on

Pre-Crime

13.10.2017 10:31

Regie: Monika Hielscher/ Matthias Heeder; Deutschland 2017 (Rise and Shine); 88 Minuten; ab 12. Oktober im Kino

»Police is the biggest gang in the world«, sagt ein junger Schwarzer aus Tottenham, dem die Polizei vorwirft, Mitglied einer kriminellen Bande zu sein. Dem Mann kann weder ein konkretes Verbrechen nachgewiesen werden, noch ist er eines solchen überhaupt verdächtig. Dass er dennoch unter besonderer Beobachtung der lokalen Polizei steht, ist Ergebnis moderner Technik. Mit Algorithmen, die vorausberechnen sollen, wer wann wo eine Straftat begehen könnte, versuchen Polizeibehörden in aller Welt, Kriminalität gewissermaßen im Vorfeld zu verhindern.

In Chicago landet ein anderer junger Schwarzer, dem Marihuana-Konsum und Würfelspiel zur Last gelegt wird, auf einer sogenannten Heat-List, also einer Liste von Personen, bei denen angeblich davon ausgegangen werden kann, dass sie in nächster Zeit in ein Verbrechen verwickelt werden.

Die Geschichten der beiden Männer stehen im Mittelpunkt dieses Dokumentarfilms, der von einer totalüberwachten Welt berichtet, in der Computer Straftatwahrscheinlichkeiten berechnen und Polizeikontrollen veranlassen. Streetworker, Journalisten und Wissenschaftler in England, Frankreich und den USA kommen zu Wort, Polizisten erklären, wie die Systeme funktionieren. Dabei stellen die Autoren Monika Hielscher und Matthias Heeder viele gute Fragen, etwa danach, wie Computerprogramme den »institutionellen Rassismus« reproduzieren, den sie mit dem Dateninput erhalten, inwiefern der Sicherheitswahn überhaupt Ergebnis einer politischen Willensbildung ist und gesellschaftlicher Kontrolle unterliegt, wie mit der Sicherheitstechnologie Geld verdient wird und ob es einen Algorithmus gibt, »der auf Wirtschaftsverbrechen zielt«.

Die Liste ließe sich fortsetzen, was zum Problem wird: Der Film ist überladen, viele Fragen werden gestellt, ohne ihnen nachzugehen. Da helfen auch Thrillersound und futuristische Namenseinblendungen nicht, ebensowenig der ältere Herr (offenbar der Regisseur selbst), der vor einer Küstenkulisse Karikaturen zeichnet und aus dem Off nachdenkliche Kommentare beisteuert. Solches aus vielen neueren Dokumentarfilmen bekannte pseudodramatische Klimbim überfrachtet »Pre-Crime« zusätzlich. So haben der Ehrgeiz der Autoren und der der Hightech-Polizei eines gemeinsam: Weniger wäre mehr.

Nicolai Hagedorn

Zurück