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National Birds

12.01.2017 11:26

Regie: Sonia Kennebeck; mit Whistleblowern; USA 2016 (NFP); 92 Minuten; ab 12. Januar im Kino

Die Playstation ist heute Voraussetzung für alles. Denn was anderes als dort muss man im richtigen Leben manchmal auch nicht mehr arbeiten.

Aber was ist schon richtiges Leben? »Das ist keine Science Fiction!«, verheißt der Werbeclip, der Schulabgänger und andere junge Menschen mit dem Dienst bei der U.S. Air Force umschmeichelt. Gemeint ist der Dienst mit der Drohne. Man drückt irgendwo in der amerikanischen Provinz ein paar Knöpfe, und im afghanischen Grenzgebiet fallen die Streubomben.

Die Dokumentation »National Bird« zeigt, wie es nach dem Werbespot und ein paar Jahren Militärdienst weitergeht. Regisseurin Sonia Kennebeck folgt ehemaligen Mitarbeitern des US-Drohnenprogramms, nachdem sie aus dem Dienst ausgeschieden sind. Eine von ihnen ist Heather. Die junge, als Gruftie gestylte Frau arbeitet jetzt in einer Kantine; gut geht es ihr nicht. Kein Wunder, sagt sie: Jahrelang habe sie Menschen sterben sehen. »Oft war die Prognose falsch«, sagt die ehemalige Fernsteuerungsspezialistin. »Ehrlich gesagt: Ich habe keine Ahnung, wie viele Menschen ich getötet habe.«

Schweigen will sie nicht mehr, Geheimhaltung ist ihr und den anderen Protagonisten egal. Denn sie haben schlichtweg einen Knall gekriegt von der Schere: zwischen der offiziellen Verlautbarung – Menschenrechte, demokratische Werte und so – und ihrem Handeln. Das Ziel des Drohnenprogramms umschreiben sie so: jeden an jeder Stelle der Welt töten können. Grenzen spielen keine Rolle. Von 121.000 »Zielen« in zwei Jahren ist im Film die Rede. Heather meint: »Obama hat gesagt: Schont die Zivilisten.« Die Aufklärung sei aber immer erst nach dem Angriff gekommen. Da waren viele schon beim Feierabendbier.

Die »National Birds« melden sich aus Idealismus, Not oder Pflichtgefühl. Oder einfach nur, um Arbeit zu haben. Alles gewichtige Gründe, in den Krieg zu ziehen, früher wie heute. Oder?

Dieser Film zeigt ein anderes Amerika, ist Anti-Hollywood. Man sieht den Bildern an, es war wenig Geld da, Aufnahmen finden in düsteren Baracken und Privaträumen statt. Die fast erdkundefilmhafte Ästhetik verleiht den Geschehnissen alle Dunkelheit, die den Vorgängen innewohnt.

Jürgen Kiontke  

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