Aktuelles

aboprämie 10-17

To watch this video, you need the latest Flash-Player and active javascript in your browser.

Tomayers Video-Tagebuch

No-Go-Area Deutschland

Filmkritiken

Termine

Spot on

Django-Ein Leben für die Musik

27.10.2017 11:25

Regie: Etienne Comar; mit Reda Kateb, Cécile de France; Frankreich 2016 (Weltkino); 115 Minuten;  seit 26. Oktober im Kino  

Etienne Comars Regiedebüt kombiniert zwei Genres, die das Arthouse-Publikum gerne konsumiert: Nazi-Dramen und Künstler-Biopics. Es porträtiert den Jazzgitarristen Django Reinhardt in der dramatischsten Phase seines Lebens: dem Übergang vom gefeierten Superstar im Paris der Vichy-Zeit zum auf seine Roma-Herkunft reduzierten Staatsfeind Deutschlands. Kein uninteressanter Stoff, den der Franzose aber unter einer Staubschicht aus geschmackvoller Ausstattung und konservativer Erzählform begräbt.

Reda Kateb, der Reinhardt verkörpert, ist bisher durch hervorragende Interpretationen von Nebenrollen aufgefallen, besonders in Jacques Audiards »Ein Prophet«. Katebs konzentrierte Darstellung des Musikers, der vor der Wahl steht, mit den Nazis zu kollaborieren oder seine weltfremde Superstararroganz aufzugeben, ist das Beste an diesem uninspirierten Biopic – und natürlich Reinhardts Musik, die den euopäischen Jazz mitbegründet hat. Am überzeugendsten sind darum die Szenen, in denen Kateb Reinhardts virtuoses und zugleich so lässiges Gitarrenspiel interpretiert. Was zwischen diesen ausgedehnten Sequenzen stattfindet, ist weniger virtuos: Selbst Kateb kommt nicht gegen die hölzernen, klischeehaften Dialoge und die schwachen Figurenzeichnungen des Drehbuchs an, das Comar gemeinsam mit dem Autor der literarischen Vorlage, Alexis Salatko, verfasst hat.

Es ist ein Reißbrettprojekt, das pflichtbewusst alle Standardsituationen gängiger Nazi-TV-Filme abhandelt. Das ist umso ärgerlicher, als Filme über den Porajmos, den Völkermord an den europäischen Roma, bisher kaum Beachtung gefunden haben beziehungsweise kaum existieren. Es ist sicher keine schlechte Idee, die prominente Figur zum Einstieg in dieses Thema zu verwenden sowie als Appell an Künstler, Stellung zu beziehen. Über den Anspruch einer leicht verdaulichen Geschichtsstunde aber wagt sich »Django« nie hinaus. 

Tim Lindemann              

Zurück