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Die Akte General

24.02.2016 11:59

Regie: Stephan Wagner; mit Ulrich Noethen, David Kross, Dieter Schaad; Deutschland 2016 (ARD); 90 Minuten; TV-Premiere am 24. Februar 2016 um 20:15 Uhr auf ARD

Generalstaatsanwalt Fritz Bauer »nun auch einem großen Fernsehpublikum zugänglich zu machen, ist nach unserer Überzeugung öffentlich-rechtlicher Kernauftrag«, lobt die Kulturchefin vom SWR sich selbst. Und in der Tat, der Fernsehfilm »Die Akte General «, den die ARD am 24. Februar um 20.15 Uhr ausstrahlt, ist perfekt geeignet für Rentner, die mit dem ersten Bier in der Hand gucken, was nach der »Tagesschau« kommt. Was kommt, ist ein Rentnerfilm. Jüngere Menschen werden nicht angesprochen. Die schalten aber sowieso nicht ARD ein. Sie laden längst woanders Serien runter.

Zurück zur »Akte General«, produced by Nico Hofmann, der deutschen Familien bereits mit »Unsere Mütter, unsere Väter« viel Freude bereitet hat. Es geht in die Adenauer-Zeit. Überall Nazis in ihren alten Positionen. Ihr Opfer ist der General, der was ändern will. Soweit der Inhalt.

Was wir sehen, sind Köpfe, die was Wichtiges zu sagen haben. Meinen sie. Das ist damals wie heute das staatsmännische Gucken. Insoweit gelungen – aber langweilig. Statt wie in anderen Filmen des derzeitigen Bauer-Booms »Der Jude ist schwul« (siehe konkret 11/14 und 10/15) heißt es jetzt sittsamer, dass er ein »warmer Bruder« war. Geht doch! Und wer noch einen Zweifel hat, weil nix erwiesen sei, dem wird vorgeführt, wie über den Flur seiner Wohnung ein nackter Knabe rennt. Holla! Na, denn! »Über Paragraf 175 red ich nicht«, sagt Ulrich Noethen als Bauer dazu patzig. Und er wiederholt ständig den Satz: »Ich mach mich strafbar.« Auch weil er heimlich Kontakte zum Mossad aufnimmt, um den Eichmann aus Argentinien zu entführen. Auch Kontakte zu Agenten der Soffjetzone?! Da macht der junge Staatsanwalt, den er sich als Hoffnungsträger einer neuen Generation ausgeguckt hat, nicht mit. Heimlich trifft der sich mit dem Bundeskriminalamt, um seinen Mentor, den Bauer, auszuspionieren. Schlimm? Nein, im Kalten Krieg muss man Stellung beziehen. Aber ist der politisch korrekte Jungmensch etwa auch ein warmer Bruder? Er ist es nicht, weil er in vielen Szenen seine superschwangere Frau vorführt. Also ist die Rentnerwelt in Ordnung.

Zwischen den vielen redenden Gesichtern gibt’s Action, Oldtimer fahren auf Kopfsteinpflaster hin und her. Guck ma, so einen hab ich damals ja auch gehabt! Hallo, mir wird heiß unterm Hintern. Eine Einstellung jagt die andere im Dreisekunden-Rhythmus. Noch’n Bier. Prost, ARD!

Dietrich Kuhlbrodt

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