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Links hin, rechts her

Heiko Maas: Aufstehen statt Wegducken. Eine Strategie gegen Rechts. Piper, München 2017, 256 Seiten, 20 Euro

Das Bessere ist ja nicht nur der Feind des Guten, sondern auch des Schlechten, und wer immer sich vor Horst Seehofer fürchtet – dieser Faschismus, diese Anzüge! –, mag finden, der Heiko Maas sei doch eigentlich ganz akzeptabel, und nicht bloß seiner Sakkos wegen.

Maas, der »wegen Auschwitz« Politiker geworden sein will, möchte wider die AfD »das bunte und zuversichtliche Mehrheitsdeutschland zur Geltung bringen«, von dessen Existenz er so überzeugt ist wie die, die es SPD-wählend verteidigen sollen, während doch »in jeder zweiten Gemeinde« Bürgermeister oder ihre Angestellten »wegen ihrer Hilfe für Flüchtlinge beschimpft oder beleidigt« worden sind. Es ist Wahlkampf, und Maas braucht die Linksliberalen mitsamt ihren rechten Anteilen: Zwar sind »die harten Sparmaßnahmen « des Wolfgang Schäuble »mitverantwortlich für die hohe Arbeitslosigkeit in den südlichen EU-Staaten«, doch sei den Griechen gesagt, »dass eine Gemeinschaft von Gleichberechtigten am besten funktioniert, wenn alle Mitglieder Verantwortung übernehmen – für sich selbst und für das große Ganze«. Flüchtlinge sind »Menschen, die bei uns Schutz suchen und die oft alles verloren haben«, aber wer »keine Bleibeperspektive in Deutschland« hat, soll »unser Land tatsächlich wieder verlassen «. Rechts ist zwar pfui, allerdings haben sich die Gutmenschen vielleicht wirklich »zu plakativ mit dem Schutz kleiner gesellschaftlicher Minderheiten beschäftigt, sich aber zu wenig um die großen Schieflagen gekümmert«. Und wieder linksherum: »Ich bleibe dabei: Die Rechte von Minderheiten zu stärken ist richtig und notwendig.« Und rechtsherum: »Doch die Frage der sozialen Gerechtigkeit für alle Menschen darf dabei nicht aus dem Blick geraten.«

Maas, immerhin, benennt den »Nexus von neoliberalem und neurechtem Denken«, variiert Gustav Heinemann (»Ich liebe kein Land, sondern meine Kinder«), und dass Kultur »der neurechte Ersatzbegriff für Rasse« ist, sei gerade seinem Publikum noch einmal mitgeteilt. Dass es aber lediglich um »die Ressentiments einer Minderheit« gehe, mag der Selbstwahrnehmung der Mehrheit frommen, erklärt aber weder den Mob bei Amazon (»Dreck«, »propagandistischer Dreck«, »Stalinist«, »Volksverhetzer«) noch des Autors Eiertänze.

Stefan Gärtner

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