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Der Weg zum Weltwunder

John Cleese: Wo war ich noch mal? Autobiografie. Aus dem Englischen von Yvonne Badal. Blessing, München 2015, 480 Seiten, 22,99 Euro

 

Ob jemand, der als Autor und Darsteller zu einer genialen Fernsehserie beitrug, die das Komischste ist, das die Menschheit in 200.000 Jahren zuwege gebracht hat, auch sonst mit Superlativen um sich werfen muss, steht dahin. Vielleicht ist es Ausdruck von Bescheidenheit, wenn ein Mann, der auch körperlich ein Riese ist, auf andere nicht herabblickt, sondern einen Charles Crichton feiert, der »zwischen 1949 und 1955 die grandiosesten Comedys« drehte, William Goldman als »einen der größten Drehbuchautoren aller Zeiten« rühmt und »Do not Adjust your Set« die »absolut komischste Sendung im ganzen britischen Fernsehen« nennt, obwohl John Cleese selber weiß, dass das »Monty Python’s Flying Circus« war, ist und die nächsten 200.000 Jahre bleiben wird.

In der Komik kommt es auf den perfekten Ausdruck an, in einer Autobiografie nicht. Wer also Superlative und eine gewisse Weitschweifigkeit in Kauf nimmt und, in der deutschen Übersetzung, über Anglizismen sowie Grammatik- und andere Schnitzer hinwegsieht (so heißt es vom Schüler Cleese, »er frönt subversiver Aktivitäten«, oder von England, dass es »händeringend Naturwissenschaftler bräuchte«), wird belohnt. Man erfährt nicht nur etwas über das Handwerk des Sketcheschreibens und -spielens, sondern vor allem, wie lang der Weg bis zum Weltwunder Monty Python war und dass der »Circus« keine komische Explosion aus dem Nichts war, sondern Jahrzehnte gesellschaftlichen Fortschritts und individueller Vervollkommnung vonnöten waren.

Es brauchte eine kulturelle Basis, nämlich geistige Freiheit und die reiche englische Humortradition in Theater und Radio, sowie eine persönliche: Cleese, dessen Großvater noch Cheese hieß, formte aus dem Humor des Vaters und der Katastrophenangst der Mutter seinen Sinn für schwarze und verwegene Komik, lernte als Schüler, der an »Omniphobie« litt, sich zu behaupten, indem er andere zum Lachen brachte, und hatte sein künstlerisches Urerlebnis auf der Bühne, als der Darsteller einer ernsten Rolle unfreiwillig Heiterkeitsstürme entfachte; so dass er fortan mit Vorsatz auf einer Schiene weiterfuhr, die ihn vom Schultheater übers Studentenkabarett zum Fernsehen führte. Wie einzigartig Monty Python war, zeigen die deutschen Pendants aus den siebziger Jahren, »Dr. Seltsams Radio-ABC« und »Dr. Muffels Telebrause« von Robert Gernhardt & Co.: Was hierzulande neu und aufregend war, wirkt heute, verglichen mit Monty Pythons Kühnheit und Rasanz, oft langsam und brav.

Peter Köhler


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