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Literatur Konkret Nr. 1

1977/78

Warum Literatur und die auch noch konkret?
 
Gibt es nichts Wichtigeres zu tun, als ein neues Literatur-Magazin zu machen? Lethargie und Verkrustung, die unproduktivsten aller Bedingungen, beherrschen Politik, Ökonomie und Kultur der Bundesrepublik 1977. Die ehrenwerte Bourgeoisie betreibt fast laut-, doch nicht wirkungslos die Stabilisierung ihr nützlicher Verhältnisse, die ehemalige Partei der Arbeiterklasse, von der doch häufig Impulse ausgegangen waren zur Humanisierung unserer Welt, läßt sich in einem beispielhaft wiederholten Akt aufgeschwätzter Selbstdisziplinierung zum Geschäftsführer eines Gegners machen, der nicht mehr Klassengegner genannt werden darf - in dieser trost- und hoffnungslosen Lage verkommt auch Literatur.
 
Resignierte Dichter und Denker widmen sich ihrem Innersten, weil die Schauplätze der Veränderung außerhalb ihres eurozentrischen Weltbilds liegen,
 
und sie auch niemand mehr nach ihrer Meinung fragt. So sind es auch nicht mehr Ideen, Pläne, Utopien, Hoffnungen, um deretwillen die meisten Autoren schreiben und um deren Veröffentlichung sie kämpfen. Publiziert wird, was sich problemlos verkaufen läßt. Erst kommt der Markt mit seinen Lücken, dann das Buch.
 
»Das einzige Publikum, das heute noch Kunstverstand hat«, erklärte unlängst der Stückeschreiber Hartmut Lange, »steht nicht links. Die Linken sind ungeheuer barbarisch. der Kunstverstand ist heute konservativ.« Es ist wahr: Jenes Blatt, dessen politischer Teil für eine militärische Vorwärtsstrategie wirbt, hat das feinsinnigste Feuilleton. Und wahr ist auch, daß sich linke Kulturkritik zu oft einer jede Ästhetik verachtenden Schonung politisch gutgemeinten Schrifttums schuldig macht. Aber so richtig barbarisch im Sinne der herrschaftlichen Kultur des vergehenden Bürgertums ist erst das linke Interesse für die Bedingungen, unter denen die Tempel errichtet wurden, unter denen heute Literatur hergestellt und gefeiert wird.
 
Mit solcher Barbarei kann und will »Literatur Konkret« seine Leser nicht verschonen. Die Kreuzworträtsel fachidiotischer Literaturkritik müssen sie sich woanders suchen. Hier soll es um die Analyse der Funktionen, Absichten und Wirkungen von Literatur gehen, um ihre materiellen Voraussetzungen und Ziele.
 
Dabei stellt sich heraus: Die Literatur ist nicht tot. Nur sind ihre vielfältigen Funktionen als Öffner, Ersatz und Verhinderer reduziert auf die konservierenden Komponenten Literatur als Zeitvertreib, Sinnenkitzel, Scheinbefriedigung. Dergleichen lenkt ab von der Mangelhaftigkeit der herrschenden Ordnung, macht sie erträglich, kaschiert sie.
 
Es kömmt nicht darauf an, darüber zu jammern (philosophieren), es kommt darauf an, diesen Zustand zu ändern. Auch durch Literatur und ihre Kritik. Auch durch »Literatur Konkret«.
 

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