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Ruch des Todes

Radek Krolczyk über Björn Höcke und das Zentrum für politische Schönheit

Dass Kunst, die auf Lärm und Leiden basiert, scheiße ist, wissen wir von den Opern Richard Wagners. In seinen stundenlangen Stücken voller lauter Ereignisse folgt auf die große Liebe irgendwann der große Krieg, und am Ende ist fast niemand mehr am Leben.

Die Produktionen Philipp Ruchs und des Zentrums für politische Schönheit sind von einem ebensolchen Größenwahn geprägt. Der Tod ist ganz selbstverständlicher Bestandteil eines jeden Projektes. Darunter geht es nicht.
Die Aufregung in der Öffentlichkeit ist stets riesig. Wie Wagner fahren die politisch Schönen dazu alle zur Verfügung stehenden künstlerischen Mittel auf. Der Seelenhaushalt gerät durcheinander, und am Ende steht die Katharsis. Im Gegensatz zu Wagner verlässt Ruch aber den Theatersaal und drängt mit seinen Aktionen an die Öffentlichkeit. Der Anspruch, der dahintersteckt, steigert den Wagnerschen Größenwahn noch.

Im vergangenen November enthüllte das Zentrum gegenüber Björn Höckes Wohnhaus in der thüringischen Kleinstadt Bornhagen ein Stelenfeld. Es ähnelt dem Mahnmal für die ermordeten Juden Europas, das Höcke als »Schande« bezeichnet hatte. Der AfD-Mann und seine Nachbarn schäumen vor Wut. Die Aktivisten des Zentrums werden bedroht. Jüdische Verbände finden die Aktion alles andere als witzig. All das war vorhersehbar und kalkuliert. Vorhersehbar war auch das Tempo, in dem das Zentrum aus der verbindlichen Wirklichkeit hinausgelaufen ist, in die es vorher hineingestürmt war: Gesellschaft scheint bloß ein Vehikel für eine künstlerische Praxis zu sein, die gar nicht nach künstlerischer Praxis aussieht. Realpolitisch wirksam sind solche Aktionen allerdings auch nicht. »Kunst« und Politik stehen sich gegenseitig im Weg. Das Etikett Kunst erlaubt es den Aktivisten immerhin, ihre Gesichter in die Kameras zu halten. Ohne den Einbruch in die Welt würde sich niemand für diese Kunst interessieren. Ohne die Kunst wäre es Ernst, und man dürfte das alles nicht.

Bescheidener wäre entschiedener: etwa Antifa-Aktivisten auf nächtlichem Besuch in Bornhagen, die auf Kamerakontakt verzichteten. Es gibt gesellschaftliche Wirklichkeit, die braucht keine Kunst.

Radek Krolczyk

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