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»No business in the bedrooms«

Fritzi Busch über die deutschen Abreibungsgesetze

»Das ist so, wie wenn man einen Swimmingpool in seinem Hinterhof hat. Man kann den Kindern sagen, dass sie nicht reingehen sollen … Aber wenn man weiß, dass sie einen Weg finden werden, ins Wasser zu gehen, ist es dann nicht besser, diesen Kindern zu zeigen, wie man schwimmt?« Mit ihrer legendären Swimmingpool-Metapher spricht sich Donna in der Teenieserie »Beverly Hills 90210« für die Verteilung von Verhütungsmitteln und Informationen zur Verhütung an Schulen aus. Selbst überzeugte Jungfrau, weiß sie, dass das Vorenthalten von Information niemandem hilft.

Anders das deutsche Strafgesetzbuch. Nach Paragraf 219a ist es Frauenärzten verboten, für Abtreibungen zu »werben«, wobei »werben« hier im Sinne des russischen Gesetzes gegen »homosexuelle Propaganda« nicht »Reklame machen« bedeutet, sondern schlicht, dass etwas sichtbar ist und damit Aussicht hat, irgendwann gesellschaftlich akzeptiert zu werden. Doch die deutsche Justiz tut einiges, um das neuzeitliche Mittelalter dieses Landes zu verteidigen: Als im November die Frauenärztin Kristina Hänel zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro verurteilt wurde, weil sie auf ihrer Website Abtreibungen als Teil ihres Leistungsspektrums angegeben hatte, begründete die Richterin das Urteil so: Der Gesetzgeber wolle nicht, »dass über den Schwangerschaftsabbruch in der Öffentlichkeit diskutiert wird, als sei es eine normale Sache«.

In Deutschland ist Abtreibung ein Tötungsdelikt. Wegen des »Lebensrechts des Ungeborenen« und der angeblich traumatischen Folgen muss sich, wer abtreiben will, an eine vollkommen willkürliche Fristenlösung halten und einem Beratungsgespräch unterziehen. Außerdem wird ihr eine »Bedenkzeit« von drei Tagen aufgezwungen. Informationen gibt es ausschließlich über die Beratungsstellen. Ein Frauenarzt, der seiner Patientin selbst auf Nachfrage Auskunft gibt, macht sich strafbar.

Diese Regelungen sind reine Schikane: Der Abbruch einer ungewollten Schwangerschaft ist ein ganz normaler und risikoarmer medizinischer Eingriff, bei dem es keiner gesetzlichen Einmischung bedarf. Eine Schwangerschaft ist die Option auf ein Kind oder einen Abbruch. Wofür man sich entscheidet, ist Privatsache, weshalb Kanada seine Abtreibungsgesetze ersatzlos gestrichen hat.

Die deutschen Abtreibungsgesetze sind nichts weiter als Ausdruck eines Frauenhasses, der Frauen entmündigen und für ein selbstbestimmtes Sexualleben bestrafen will. Wer bei der gediegenen Unzucht zu geil ist, um ans Gummi zu denken, hat es nicht anders verdient: Der muss auf den Spielplatz.

Fritzi Busch

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