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»Es werden bald Eier rollen«

Hätten Sie’s gewusst? Am 24. September ist Bundestagswahl. Nichts liegt konkret ferner, als Prognosen darüber abzugeben, wer nach der Wahl neue Bundeskanzlerin sein wird. Aber ein Thema, das die ganze Nation bewegt, können auch wir nicht einfach dem Feuilleton überlassen. Deshalb sprach konkret mit dem Ex-»Titanic«-Chef Leo Fischer, Direktkandidat der Partei Die Partei, über Wahlen als Chance, Martin Schulz, die deutsche Autoindustrie und Israel.



konkret: Würden Wahlen etwas ändern, wären sie verboten, sagt der Volksmund. Gibt es an der Urne überhaupt noch etwas zu gewinnen?

Leo Fischer: Natürlich, die Bürger müssen schon noch zur Wahl gehen, das ist ihre Pflicht gegenüber uns Funktionsträgern. Außerdem sind Wahlen ein gutes Barometer zur Messung des Verzweiflungsgrads in der Bevölkerung: Solange sie sonntags noch aufstehen und sich allein anziehen kann, ist sie noch nicht komplett pflegebedürftig.

Was könnte jetzt noch dazu führen, dass Martin Schulz die Wahl gewinnt?

Der Posten des SPD-Kanzlerkandidaten ist seit drei Legislaturen in etwa dem des Bundespräsidenten vergleichbar: Es muss einen geben, es ist aber keine besondere Hoffnung oder Erwartung an ihn geknüpft. Jede Woche wagt sich Schulz mit einem neuen Schnarchthema vor, das seine Berater gerade bei Twitter haben trenden sehen. Die einzige relevante Größe war bisher das Versprechen, Hartz IV zurückzunehmen; aber da wird ihm die Wirtschaft schnell den Kopf gewaschen haben. Im übrigen: Wenn die SPD wollte und in Sachen Linkspartei über ihren Schatten spränge, hätte sie seit zwölf Jahren den Kanzler stellen können. Sie will es eben gar nicht. Auch wenn ich es persönlich gern sähe, wenn ein Kanzler Schulz inmitten seiner Amtszeit wieder zu trinken anfinge.

Ist Demokratie eigentlich noch zeitgemäß? Sollte man statt Wahlen zu veranstalten nicht lieber würfeln oder einen politischen Führer durch Russisch Roulette ermitteln?

Ich persönlich halte Demokratie nach wie vor für eine gute Möglichkeit, den Bürgern politische Entscheidungen näherzubringen. Unsere Welt partikularisierter Öffentlichkeiten und in medialen Filterblasen eingeschlossener Individuen könnte von einer Diktatur gar nicht mehr sinnvoll bewältigt werden, dazu müssen zu viele widersprechende Meinungen bedient werden. Neuerdings hört man, dass sich Mark Zuckerberg auf eine Präsidentschaftskandidatur vorbereitet. Ich glaube, das einzige, was die Welt jetzt heilen kann, ist ein Milliardär mit Rückhalt in den sozialen Medien.

Konzerne diktieren in Deutschland anscheinend die Politik. Schaffen Sie nach der Machtübernahme den staatsmonopolistischen Kapitalismus ab?

Wir stehen zu unserem Versprechen, nach der Wahl die hundert reichsten Deutschen umnieten zu lassen – natürlich nur, nachdem wir die dafür erforderliche gesetzliche Grundlage geschaffen haben. Darunter finden sich sicher auch einige Konzernherren. Ansonsten werden wir nach und nach Schlüsselindustrien verstaatlichen, zuvörderst Amazon und Foodora. Das wird die Akzeptanz in der Bevölkerung für weitere Willkürmaßnahmen stärken.

Wie sollte mit den korrupten Autobauern umgegangen werden?

Auch hier wäre ich für die humane Lösung durch eine schnelle, unbürokratische Umnietung – so ersparen wir den Beklagten und der Öffentlichkeit ein langwieriges und demütigendes Gerichtsverfahren mit erpressten Geständnissen und Tränen vor laufender Kamera. So wird das in China schließlich auch geregelt.

Beim G20-Gipfel in Hamburg haben die Autonomen einen eigenen Ansatz zum Umgang mit den kriminellen Autodealern und ihren Produkten erprobt. Was halten Sie von Gewalt gegen Sachen?

Ich habe natürlich die furchtbaren Anschläge gegen deutsche Autos mit Entsetzen verfolgt. Kritik an der Abgasaffäre ja, aber das geht zu weit! Ansonsten vertrete ich zusammen mit der »Verfassungsfeindlichen Plattform« in Der Partei die Überzeugung, dass Gewalt gegen Sachen legitimes Mittel politischer Willensbildung sein kann, vorausgesetzt, sie richtet sich nicht gegen unsere Sachen. Der effektivste Schutz vor autonomer Zündelei ist folglich eine Mitgliedschaft in Der Partei. Ansonsten ist »Titanic« klassischerweise Sympathisant des Schwarzen Blocks: Zu den Blockupy-Protesten stellten wir Aktivisten unsere Redaktionsräume als Rückzugs- und Schlafraum zur Verfügung.

Wie lange kann sich Die Partei eigentlich noch einen wie Martin Sonneborn leisten? Werden Sie ihn endlich vom Partei- Thron stürzen?

Die Hoffnung, die Personalie Sonneborn mit seiner Weglobung nach Brüssel zu lösen, muss leider als gescheitert betrachtet werden. Das Problem der SED, die Vergreisung und ideologische Versteinerung der Führungsschicht, ist auch das Hauptproblem in Der Partei. Immerhin ist es vor zwei Jahren gelungen, die parteiinterne Opposition weitläufig zu vernetzen. Ich selber möchte mich hier allerdings nicht mehr ins Gespräch bringen, eine zweite Kampfkandidatur geht derzeit über meine Kräfte. Die finale Lösung des Problems Sonneborn sehe ich derzeit eher in Händen der Partei-Frauen: Hier haben sich vor einer Weile hochaggressive Feminazis zusammengefunden, mit riesigen Scheren und einer Scheißwut im Bauch. Ich bin überzeugt davon: In Der Partei werden bald Eier rollen.

Jetzt mal im Ernst: Martin Sonneborn hat Sigmar Gabriel gegen Benjamin Netanjahu verteidigt. Wie stehen Sie dazu? Wie steht es um die Israel-Solidarität in Der Partei?

Martin Sonneborn ist ein freundlicher älterer Herr, der mit den vielen Informationen, die tagtäglich auf ihn einstürmen, einfach nicht mehr zurechtkommt. Wir kennen das ja von Dieter Hallervorden und Tilo Jung. Ansonsten ist Die Partei selbstverständlich prozionistisch! Wir wollen Teil einer Weltverschwörung sein, nicht irgendwie daneben stehen.

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