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Marit Hofmann über den jüngsten Beitrag zum allmonatlichen Wettbewerb um den krassesten Nazi-Vergleich

Nein, Jochen Arntz konnte nicht länger schweigen. Der Chefredakteur der »Berliner Zeitung« musste in selbiger zum Auftakt des 40. Jahrestags medialer Pathologisierung der Mitglieder der Roten Armee Fraktion (siehe Seite 40) endlich lautstark »das dröhnende Schweigen der RAF-Täter« beklagen, die »das Schweigen ihrer Eltern als eine Begründung für ihr Töten « hernahmen. »Heute schweigen die terroristischen Mörder genauso über ihre Taten, wie die Generation vor ihnen über den Holocaust geschwiegen hat … Die Überlebenden der RAF verweigern sich eines Wortes der Aufklärung und des Bedauerns, so, wie schon einmal deutsche Täter sich verweigerten, für ihr Leben einzustehen.« Aber da ähnliches bereits vor zehn Jahren der RAF-Aussteiger Peter-Jürgen Boock pflichtschuldigst dem »Spiegel« sagte (konkret 6/07), muss der aktuelle Kandidat im allmonatlichen Wettbewerb um den krassesten Nazi-Vergleich das Ganze noch toppen: »Es ist das wirkliche Armselige an den Terroristen jener Zeit …, dass diese Menschen heute zu den verstocktesten Mördern überhaupt gehören.« Okay, verstockt war Adolf Eichmann, der sich in Argentinien brüstete, »hätten wir von den 10,3 Millionen Juden 10,3 Millionen Juden getötet, dann wäre ich befriedigt«, nicht gerade.

Auch Arntz’ im Sommerloch an sich originell anmutende Idee einer »offiziellen Gedenkstätte für die mehr als 30 Todesopfer des RAF-Terrors« hatte vor zehn Jahren bereits der CSU-Mann Stephan Mayer formuliert. Arntz führt aus, er möchte darin »nicht die schönen Bilder von Andreas Baader in Schwarzweiß …, nicht die nachdenklichen Porträts der Ulrike – er hätte vermutlich lieber hässliche Stelen für SS-Untersturmführer Hanns Martin Schleyer, plakative Stolpersteine für Siegfried Buback und (statt Schweigegeboten für Repräsentanten des deutschen Staates mit Neigung zur Relativierung des Nationalsozialismus) Schweigeminuten für Jürgen Ponto. Denn die »Sprachlosigkeit der Täter« korrespondiere, so der Berliner Chefredakteur, mit »der Sprachlosigkeit der Gesellschaft zu dem Thema« RAF – Arntz, Aust et alii Alphamännchenjournalisten ausgenommen.

Marit Hofmann

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