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Norwegens größter Gewerkschaftsdachverband beschließt, Israel zu boykottieren.

Von Martin Hauptmann

Norwegens größter Gewerkschaftsdachverband LO (Landsorganisasjonen i Norge) hat auf seinem Kongress im Mai beschlossen, Israel zu boykottieren. Sarkastisch beschreibt der Korrespondent der »Taz« die norwegischen Zustände: »Befürworter (eines teilweisen Wirtschaftsboykotts sehen) sich in Norwegen nicht, wie in Deutschland, Vorwürfen wegen Antisemitismus ausgesetzt …«

Doch so rückschrittlich ist die Lage nicht. Das Antisemitische der Gewerkschaftsentscheidung wird in Norwegen so benannt: Der Vorsitzende der norwegisch-israelischen Handelskammer, Willy David Ekre, nennt den Beschluss »Antisemitismus der schlimmsten Sorte«. Der israelische Botschafter Raphael Schutz verurteilte den Beschluss: »Diese unmoralische Resolution zeigt die tief verwurzelte Voreingenommenheit, Benachteiligung und die doppelten Standards gegenüber dem jüdischen Staat.«

»Beschämend« und »unmoralisch« nannte Rabbiner Joav Melchior von der Jüdischen Gemeinde in Oslo die Entscheidung, die »formal alle Hoffnung auf so etwas wie einen Dialog mit Israel« aufgebe. Der konservative norwegische Außenminister entschuldigte sich für den LO-Beschluss und erklärte: »Wir brauchen mehr Zusammenarbeit und Dialog, aber keinen Boykott.«

Ähnlich distanzierten sich Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg, der Vorsitzende der Sozialdemokraten, Jonas Gahr Støre, und der parlamentarische Geschäftsführer der Christdemokraten, Olav Syversen. Bereits vor der Entscheidung hatte der frisch gewählte LO-Vorsitzende Hans-Christian Gabrielsen darauf hingewiesen, dass der Boykott vornehmlich die palästinensischen Arbeiter und Gewerkschaften treffen werde.

Der größte israelische Gewerkschaftsdachverband Histadrut äußerte sich enttäuscht. Seine Direktorin für internationale Beziehungen, Avital ShapiraShabirow, teilte mit: »Es wäre besser für die Organisation gewesen, sich darauf zu konzentrieren, positive Ansätze zwischen den Parteien zu fördern, als diesen armseligen Beschluss anzunehmen, der in völligem Widerspruch zur Zusammenarbeit von Histadrut und (dem palästinensischen Gewerkschaftsbund) PGFTU steht. Dies unterstreicht ein weiteres Mal die unausgewogene und diskriminierende Politik der LO gegenüber den in der Histadrut organisierten Arbeitern.«

Obwohl aufgrund des Beschlusses etliche Mitglieder aus der LO ausgetreten sind, ist der Spaltungsversuch an der Haltung der norwegischen Gesellschaft zumindest vorläufig gescheitert. Generell bleibt zu hoffen, dass Gewerkschaften sich nicht länger vor den Karren des nationalistischen, kapitalistischen und religiösen Interessenverbands der Boykottbefürworter BDS spannen lassen.

Martin Hauptmann

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