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von konkret

Die Produktionszeit einer Monatszeitschrift ist Fluch und Segen zugleich: Zwischen Redaktionsschluss und Erstverkaufstag liegen knapp zwei Wochen, deren Ereignisse den Beitrag eines Autors alt aussehen lassen können, während andererseits die aus Furcht vor solchem Verfall unkommentierten Ereignisse noch viel älter aussehen können. In der Türkei ist Deniz Yücel in Haft. Wer weiß, ob Erdoğan, wenn dieses Heft am 31. März erscheint, den Gefangenen freigelassen haben wird oder erst am Tag nach dem Referendum am 16. April oder gar nicht. Gewiss ist nur, dass der Präsident eines Staats der westlichen Verteidigungs- und Wertegemeinschaft Zehntausende politischer Gefangener, darunter 100 Journalisten, so lange quälen wird, wie es ihm passt.

Gelegenheit, an etwas zu erinnern, was keinem der neuen Freunde Yücels, insbesondere auch der Redaktion der »Welt«, für die er inzwischen leider reist, der Erwähnung wert war: dass Erdoğan nicht der erste Präsident ist, mit dem der Journalist Erfahrungen machen durfte. Vor Erdoğan war Joachim Gauck, den Yücel, damals noch bei der »Taz«, sehr zu Recht der »Verharmlosung des Holocaust « bezichtigt hatte, was Jürgen Trittin, damals Vorsitzender der Grünen im Bundestag und Erfinder des Kandidaten Gauck, dazu bewog, in einer Talkshow gegen Yücel loszukeifen: »Das ist wirklich, auf deutsch gesagt, Schweinejournalismus, das kenn’ ich sonst von der ›Bildzeitung‹, aber nicht von der ›Taz‹.«

Einsperren konnten dieser Präsident und seine grüne Hofschranze, anders als Erdoğan, das Schwein nicht. Den Auftritt hatte der -Herausgeber in seiner Kolumne im April 2012 mit dem Resümee versehen:

Mancher Beitrag der »Tageszeitung«, zu deren Gesellschaftern nicht zufällig der oberste der anderen Schweinejournalisten gehört, hätte Trittins Verdikt verdient. Dieser nicht. Wenn hier ein Schwein grunzte, dann Trittin.

Darauf kam diese Post:

Lieber Hermann Gremliza, es war meine Ehre, in Deiner Kolumne so ausführlich und so wohlwollend zitiert zu werden. Dafür meinen zwar verspäteten, aber nicht minder aufrichtigen, herzlichen Dank. – Deniz Yücel

Der bessere Zeiten gesehen hat als bei Springer und bei dem diesem strukturell ja nicht völlig fremden Erdoğan: als Autor und als Interviewpartner von konkret im Dezember 2001, im Januar 2003 und im Juli 2013.


Schweinejournalismus 1:

Ein Daniel Bax von der »Tageszeitung« verriet einem asozialen Netzwerk:

In konkret wurde während des letzten Gaza- Kriegs die Ermordung von Kindern mit dem Argument verteidigt, dass diese ja später ohnehin Terroristen werden und sie deshalb keine Gnade verdient hätten.

Was hat in konkret (9/14) gestanden? So was ähnliches beziehungsweise das Gegenteil:

Und was ist mit Gazas Bevölkerung? Abgesehen von den Kindern – die dort schon ab dem Alter von drei Jahren in Uniformen gesteckt und zu Mördern erzogen werden – hat sie kaum Mitleid verdient. 50 Prozent von ihr haben 2006 die Hamas gewählt (die übrigen haben für die beiden anderen Terrorgruppen Fatah und PFLP gestimmt); überall sah die Bevölkerung dabei zu, wie Raketen und Sprengstoff in ihre Häuser, Moscheen und Schulen getragen wurden.

Abgesehen von den Kindern, die Mitleid verdient haben, obwohl sie schon ab dem Alter von drei Jahren in Uniformen gesteckt und zu Mördern erzogen werden, waren die Opfer, sollte das heißen, an ihrem Unglück etwa so unschuldig wie die Bewohner von Dresden 1944. Nachdem Bax im Netz der Lüge geziehen wurde, versprach er vollmundig, den Beweis nachzuliefern, musste aber nach mehreren Nachfragen widerwillig widerrufen:

In der Tat, ich muss mich korrigieren, meine Erinnerung trügte mich. Der Autor schrieb zwar, dass die Bevölkerung von Gaza keine Gnade verdient hätte. Kinder nahm er aber ausdrücklich von seinen genozidalen Phantasien aus – wenn auch nur zähneknirschend, weil sie seiner Ansicht nach ja später ohnehin alle Terroristen würden. Ich entschuldige mich! Soll noch einer sagen, dass Antideutsche kein Herz für Kinder hätten!

Oder gar für die deutsche Sprache. Prodeutsche von der ergrauten Kinder-»FAZ« wie der Bax haben dagegen ein Herz für Sprachfehler. Der Imperfekt von trügen etwa heißt: trog. Womit wir wieder beim Schweinejournalismus wären.


Schweinejournalismus 2:

Der Autor und Regisseur Fritz Tietz und konkret-Redakteurin Marit Hofmann haben einen Kurzfilm unter dem Titel »Kein Barfußbreit den Diek- und Doofmännnern« gedreht. Anlass war der Fall des Ex-»Bild«-Chefs Kai Diekmann, gegen den bei der Staatsanwaltschaft Potsdam ein Verfahren wegen des Verdachts auf einen sexuellen Übergriff auf eine Mitarbeiterin beim Baden im Jungfernsee läuft. Tietz und Hofmann haben sich (nach ihrem 2015 vorm Haus von Kai D.s Eltern in Bielefeld gedrehten Video »Wie ertragen die Eltern des Amokjournalisten das bloß«, der ebenfalls in konkrets Youtube-Kanal zu besichtigen ist) Anfang März ins Potsdamer Problemviertel Berliner Vorstadt begeben, in dem der Ex- Massenblattmacher wohnt und seinen Ichbin- so-frei-Schwimmer gemacht hat. konkret- Reporterin Marit Hofmann badet dagegen an – im Jungfernsee.

 


In der Reihe konkret texte ist soeben das Buch Falsche Feinde. Was tun gegen die AfD? (konkret texte 70) von Manfred Sohn erschienen. Sohn fragt darin nach den Wurzeln der Rechtspartei und danach, wer ihre Wähler/ innen sind, welche Mittel zur Bekämpfung dieser Formation taugen und welche nicht (siehe Anzeige S. 65). Das Buch hat 128 Seiten, kostet 13,50 Euro und kann im Buchhandel oder über den Verlag bezogen werden.


Die Gewinner des konkret-»Rätsel des Monats «, die für die richtige Lösung (Moshe Zuckermann) je ein Exemplar von Gremlizas Haupt- und Nebensätze erhalten haben: Rainer Kühn, Manuel Schröder und Agnes Fetthauer.


Das Sprengel-Museum Hannover zeigt vom 12. April bis zum 16. Juli unter dem Titel »Das heiße Eisen der Erinnerung« das Werk von Wenzel Storch. Ausgestellt werden Skizzen, Zeichnungen, Filmausschnitte, Fotografien und ausgewählte Requisiten. Auch zahlreiche Originale aus Wenzel Storchs Arno- Schmidt-Bilderbuch Arno & Alice (konkret texte 59) werden dem Publikum präsentiert.

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