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»Judenreferat«

Bernhard Torsch über Berlins Bürgermeister und die BDS-Bewegung

Die hübscheste Schlagzeile zu dem Ungemach, das in Gestalt einer Ankündigung des Simon-Wiesenthal-Zentrums, es könnte in seine jährliche Liste der zehn schlimmsten antisemitischen/antiisraelischen Verunglimpfungen Michael Müller aufnehmen, über Berlins Bürgermeister kam, kreierte die »Taz«: »Müller ist doch kein Antisemit.« Solche Doch-Konstruktionen können einerseits einen endlich aufgeklärten Sachverhalt bedeuten (»Studie: Tomatenmark hilft doch nicht gegen Cholera«), andererseits die empörte Zurückweisung einer Anschuldigung (»Ich bin doch kein Verbrecher!«). Der stellvertretende Direktor des Wiesenthal-Zentrums, Abraham Cooper, hatte Müller vorgeworfen, sich nicht ausreichend von der antisemitischen BDS-Bewegung zu distanzieren und die jährlichen Al-Quds-Aufmärsche in Berlin, bei denen habituell zur Vernichtung Israels aufgerufen wird, nicht zu untersagen. Boycott, Divestment and Sanctions (BDS), eine internationale Bewegung von Vollidioten, Antisemiten und antisemitischen Vollidioten, die in Nordeuropa, Großbritannien und den USA tief in vermeintlich linke Zusammenhänge vorgestoßen ist, hatte zuvor Künstler aufgefordert, das Berliner Popkultur-Festival zu boykottieren, weil es die Israelische Botschaft in Berlin, die lediglich eine Reisekostenbeihilfe von 500 Euro für dort auftretende israelische Musiker übernommen hat, ursprünglich als Partner genannt hatte.

Der Bürgermeister äußerte sich erst nach der scharfen Kritik aus Los Angeles zu den Vorgängen und versprach, in Zukunft bei antijüdischen Aktivitäten in seiner Stadt rascher als bisher den Ausschimpffinger auszupacken. Während deutsche Zeitungen damit beschäftigt waren, Müller zu attestieren, kein Antisemit zu sein, da er beispielsweise »vor zwei Jahren die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besucht« habe (»Berliner Kurier «), bemühten sich Vertreter der Jüdischen Gemeinde in Berlin darum, ihm die Schmach zu ersparen, auf jener Liste zu landen, auf der schon Thilo Sarrazin, Mahmud Ahmadinedschad und Jakob Augstein gestanden haben. Quer durch die politische Landschaft Deutschlands wies man die Kritik des Wiesenthal-Zentrums als mindestens »übertrieben« zurück. Nur die AfD versuchte die Gelegenheit einmal mehr dafür zu nutzen, Antisemitismus allein bei Muslimen zu verorten, und warf Müller vor, zuviel »Rücksicht auf muslimische Befindlichkeiten « zu nehmen.

»Taz«-Redakteur Daniel Bax wiederum verteidigte den BDS (»nicht antisemitisch«), ließ eine Aktivistin in seinem Blatt ausführlich zu Wort kommen, weist aber empört zurück (und will juristisch dagegen vorgehen), dass ihn Benjamin Weinthal, Deutschland- Korrespondent der »Jerusalem Post«, »als ›Judenreferat‹ der ›Taz‹ bezeichnet«. Es gibt also laufend neue Bewerber für die Liste.

Bernhard Torsch

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