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Blödmaschinen

Am letzten Junitag beantwortete Mark Zuckerberg auf Facebook Fragen zur Entwicklung seines Zeitvertändelungsdienstes. Die deutsche Plapperpresse, allen voran »Spiegel Online«, simulierte Verwunderung über die »erstaunlich konkreten Visionen«, die Zuckerberg skizzierte, und verabreichte die gewohnte Dosis Paranoia: »Dem einen oder anderen dürfte dabei angst und bange geworden sein.« Wohl kaum, denn der eine hat schon vor 30 Jahren einen Science-Fiction-Roman von William Gibson gelesen, und der andere ist mit der Frage beschäftigt, ob er den Körperteil mit seiner neuen Tätowierung fürs Facebook-Profilbild ablichtet.

Im Quasi-Interview bewies Zuckerberg ein Minimum an popkultureller Coolness und ein Verständnis für die Funktionsweise der Blödmaschine Social Network. Facebook, erklärte Zuckerberg, werde die Analyse hochgeladener Bilder verfeinern, so dass ein Hundebild automatisch demjenigen Facebook- Freund zur Kenntnis gebracht werde, der Hunde mag. »Unser Ziel ist es, KI-Systeme zu bauen, die besser sind als menschliche Systeme in bezug auf unsere Sinne. « Nicht zuletzt wegen des wachsenden Analphabetentums seiner Kunden forciert Zuckerberg die Weiterentwicklung von Sprachsoftware, um permanentes, ungehindertes und unreflektiertes Gequatsche zu gewährleisten. Er stellt sich darauf ein, dass die meisten Facebookler in näherer Zukunft Augmented-Reality- Geräte verwenden, auf dass sie sich dauerhaft mit dem Austausch der je aktuellen Sinneseindrücke zerstreuen.

Im Zentrum der Facebook-Forschung steht die Frage des vergesellschafteten Menschen: »Ich bin interessiert daran, ob ein grundlegendes mathematisches Gesetz erkennbar ist, das den menschlichen Beziehungen zugrunde liegt und bestimmt, wer wir sind und was uns am Herzen liegt«, sagte Zuckerberg. Mit ihren immensen Datenmengen sind Facebook, Google und Amazon wohl die ersten Instanzen, die qua Big-Data-Analyse die vernetzten Menschen vollumfänglich erfassen. Dass sich die Nutzer das gefallen lassen, ist ihrer Konformität geschuldet und der Empfänglichkeit für Schmeichelei, die der Medien-Theoretiker Jaron Lanier jüngst im »FAZ«-Interview die vornehmliche Stärke der Silicon-Valley- Firmen nannte. In diesem völlig überraschungsfreien Sinne erweist sich Zuckerberg, in den Worten Adornos, als sympathischer Dirigent »der unerschütterlichen Zuversicht auf die Möglichkeit der Weltbeherrschung«, die unweigerlich in die »realitätsgerechte Weltbeherrschung « mündet.

Peter Kusenberg


 

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