Aktuelles

aboprämie 5-17

To watch this video, you need the latest Flash-Player and active javascript in your browser.

Tomayers Video-Tagebuch

No-Go-Area Deutschland

Filmkritiken

Termine

Aus aktuellem Anlass

Zum 30. Todestag von Primo Levi

11.04.2017 16:52

Unsere Sprache wirkt lächerlich 

Primo Levi studierte in Turin im ersten Semester Chemie, als in Italien die Rassegesetze erlassen worden, er überlebte das Vernichtungslager Auschwitz und schrieb über seine Erfahrungen. In literatur konkret 1990 schrieb Wolfgang Schneider über Levis literarische Arbeit, in der die Rekonstruktion der Wahrheit über die Konzentrationslager im Mittelpunkt steht. Am 11. April 1987 hat sich Primo Levi das Leben genommen.


 

»Ich werde aber nur noch eine Geschichte, die geheimste, erzählen, und das mit der Demut und Scheu des Erzählers, der von allem Anfang an weiß, daß sein Unterfangen aussichtslos, seine Mittel dürftig und das Gewerbe, Taten in Worte zu kleiden, seinem Wesen nach zum Bankrott verurteilt ist.«  

Primo Levi
 

Irgendwo im All, sehr weit weg von hier«, beginnt eine jener sonderbaren Geschichten, die der italienische Chemiker und Schriftsteller Primo Levi in den 60er und 70er Jahren schrieb, »lebte einmal ein geruhsamer Stern«. Der sei »sehr groß«, »sehr heiß« und von »enormem« Gewicht gewesen, erklärt der Erzähler, der sich als »Berichterstatter« vorstellt, und muß sich schon unterbrechen: Werden die Worte 'weit weg', 'groß', 'heiß' und 'enorm' nicht verwendet, um einen entlegenen Erdteil, Elefanten, den Mount Everest und die Temperatur des Badewassers zu bezeichnen? Und liegt damit nicht auf der Hand, »daß da mit unserem Wortschatz etwas nicht stimmt«? jedenfalls ist, fährt er fort, »um über Sterne zu schreiben, ... unsere Sprache unangemessen, sie wirkt lächerlich, wie wenn man mit einer Feder pflügen wollte: diese Sprache ist mit uns entstanden, ... sie besitzt unsere Dimensionen, sie ist menschlich«. Deshalb müsse, wer die Geschichte des geruhsamen Sterns erzählen wolle, den Mut aufbringen, »sämtliche Adjektive, die Staunen hervorrufen wollen, wegzulassen« und auf das »Alphabet der Potenzen von zehn« zu verzichten, denn auch in der Sprache der Zahlen gebe es kein Erzählen »in dem Sinn, wie diese Geschichte erzählt sein will«, so nämlich, daß sie »in jedem von uns Urbilder der eigenen und der menschheitsgeschichtlichen Erinnerung anspricht«.  

Der geruhsame Stern aber war gar nicht geruhsam. Statt den Wasserstoff, aus dem er bestand, nach und nach aufzuzehren und, wie's Sternenbrauch, seine Laufbahn als Weißer Zwerg zu beenden, begann er, als seine Vorräte zur Neige gingen, unruhig zu werden. Mal wuchs, mal schrumpfte und schließlich explodierte er, ein, wie der Berichterstatter erläutert, Ereignis, das zu »den gewaltsamsten Vorgängen überhaupt« gehört, »die sich derzeit am Himmel beobachten lassen; aber wir verstehen nur annähernd das Wie, nicht das Warum«.  

Mit dem Wie sollten wir uns daher begnügen, ihm zu folgen sei schwierig genug. Schließlich könnten wir uns dabei nicht einmal auf das Zeugnis etwaiger Bewohner eines benachbarten Planeten stützen, die womöglich beobachtet haben, wie ihre Sonne aus den Fugen geriet - binnen weniger Minuten hätte ihre Zeugenschaft ein Ende gefunden, und binnen weniger Stunden wäre ihr Planet in Dampf aufgegangen, »mitsamt all den Dichtern und Weisen, die vielleicht diesen Himmel beobachtet und sich gefragt hatten, wozu all dies Sternengefunkel gut sein soll, und keine Antwort gefunden hatten. Das war die Antwort.«  

So bliebe uns, die wir am Fortgang des Berichts interessiert sind, nichts übrig, als auf andere Zeugnisse zurückzugreifen, auf »die Aufzeichnungen unserer irdischen Meßgeräte nämlich, die dieses Ereignis in seinem ganzen Grauen nur in 'sehr' abgemildeter Form aufgezeichnet haben, noch verzögert durch den langen Weg, den das Licht, de uns die Nachricht übermittelte, durch die Tiefen des Raums hatte zurücklegen müssen«. Bis zu jenem Observatorium in den peruanischen Bergen beispielsweise, in dem Ramon Escojldo wohnt und arbeitet, und bis zu jenem Samstagmorgen, an dem dieser, bereits mitten drin in den Vorbereitungen für den Wochenendausflug mit Frau und Kindern, bei der Entwicklung der Fotoplatte, die er am Abend zuvor eingelegt hatte, »eine Neuigkeit« bemerkt: »nichts Besonderes, ein kaum erkennbares Pünktchen«. Es könnte, wie meist in solchen Fällen, bloß ein Staubkorn oder ein Fehler der Entwicklerlösung sein, es könnte sich aber auch um den Reflex einer Nova handeln, und dann, so sagt's die Dienstanweisung, wäre ein Bericht zu schreiben. In jedem Fall aber muß Ramón nun Kontrollaufnahmen machen und braucht sich den Kopf nicht länger über das Schlauchboot zu zerbrechen, der Ausflug fällt aus. - »Was würde er nur Judith und den Kindern sagen?«  

ja, was bleibt, wo doch die Augenzeugen zu Zeugen nicht taugen, von der, wie der Berichterstatter sie nennt, »modulierten Nachricht von der Katastrophe«? Welche Informationen vermag sie allenfalls noch zu transportieren, und was fangen diejenigen damit an, die sie empfangen? Werden sie überhaupt in der Lage sein zu begreifen, was ihnen da mitgeteilt wird, und werden sie ihr Verhalten daraufhin auch nur um ein weniges verändern? Von sich aus? Oder bloß, weil's Vorschrift ist?  

Es lassen sich diese Fragen der unscheinbaren Erzählung vom geruhsamen Stern, der schließlich »den ganzen Himmel« umfängt, unschwer entnehmen. Und wenn ihr Duktus auch der eines Märchens ist, als das der Leser sie nach dem Willen des Berichterstatters verstehen soll, so hat gerade darin ihr Verfasser die Ängste und die Verzweiflung zum Ausdruck gebracht, die sein Leben bestimmten und sein Schreiben antrieben - von jenem 27. Januar 1945, an dem die Rote Armee ihn aus dem Konzentrationslager Auschwitz-Monowitz befreite, bis zum 11. April 1987, an dem er sich aus dem 3. Stock seines Turiner Hauses in den Tod stürzte.  

Primo Levi, geboren 1919 in Turin, jüdischer Abstammung, beendet 1941 erfolgreich sein Chemiestudium und findet trotz der Rassegesetze des faschistischen Italien eine erste Anstellung bei einem pharmazeutischen Unternehmen. Nach dem Zusammenbruch des Regimes im Sommer 1943 und der anschließenden Besetzung durch deutsche Truppen schließt er sich einer Partisanengruppe an, wird aber bereits im Dezember von der italienischen Miliz verhaftet. Um seinen Aufenthalt in den Bergen zu rechtfertigen und der drohenden Folterung als `Politischer' zu entgehen, gibt er sich als »italienischer Staatsbürger jüdischer Rasse« zu erkennen, wird zunächst ins Lager Fossoli gebracht und - zusammen mit 650 weiteren italienischen Juden - im Februar 1944 nach Auschwitz deportiert. Er überlebt dank einiger glücklicher Umstände, auf die er später immer wieder hinweisen wird: eine eher leichte Verletzung bringt ihn im 'richtigen' Moment für einige Zeit in den Krankenbau, ein italienischer Zivilarbeiter, der, wie die Häftlinge des Lagers Monowitz, ebenfalls für das Buna-Werk der IG Farben arbeitet, versorgt ihn mit Lebensmitteln, und schließlich bewahrt ihn im Winter 44/45 seine Ausbildung als Chemiker vor dem sicheren Tod. er wird in eines der Buna-Laboratorien abkommandiert.  

Nach seiner Befreiung kehrt Levi im Oktober 1945 nach Turm zurück und arbeitet wieder als Chemiker. Er wird zu einem anerkannten Spezialisten für keramische Isolationstechnik und bringt es bis zum geschäftsführenden Direktor einer Turiner Firma. Mitte der 70er Jahre läßt er sich pensionieren und widmet sich fortan ganz seiner schriftstellerischen Arbeit und ihrem zentralen Anliegen: dem »Erinnern der Wunde«, die die traumatischen Erlebnisse in Auschwitz ihm schlugen, und der Rekonstruktion der Wahrheit über die Konzentrationslager.  

Damit hatte er bereits unmittelbar nach seiner Rückkehr begonnen: Schon 1947 erscheinen die Aufzeichnungen über seine KZ-Haft (deutsche Übersetzung-. »Ist das ein Mensch?«, 1961). Niedergeschrieben im kargen Stil eines »Wochenberichts, wie er in Fabriken üblich ist« (Levi), geben sie, als rnodulierte Nachricht der nicht vorstellbaren Katastrophe, Auskunft über die Umstände, unter denen die Menschen in den deutschen Vernichtungslagern arbeiteten, hungerten, krepierten. Erst 16 Jahre später veröffentlicht er einen Bericht über die mehrmonatige Odyssee durchs kriegszerstörte Osteuropa, die sich seiner Befreiung anschloß und an deren Ende er, gemeinsam mit weiteren Überlebenden der Lager, nach Italien zurückkehrt (»Atempause«).  

Es folgen zwischen 1966 und 1986 ein knappes Dutzend weitere Bücher - Romane, Erzählungen, Gedichte, Essaysammlungen -, von denen bisher allerdings erst einige ins Deutsche übersetzt worden sind, darunter »Das periodische System«, eine Autobiographie, in der Levi sich die entscheidenden Stationen seines Lebens noch einmal vergegenwärtigt, indem er 21 Geschichten erzählt, in denen je ein chemisches Element eine zentrale Rolle spielt; darunter der Roman »Wann, wenn nicht jetzt?«, der das Schicksal einer jüdischen Partisanengruppe schildert, die sich während des Krieges im Rücken der deutschen Wehrmacht von Weißrußland bis nach Mailand durchschlägt; darunter »Der Freund des Menschen«, eine schmale Auswahl aus den Kurzgeschichten, in der sich auch das Märchen vom geruhsamen Stern findet; und darunter nun auch die Aufsatzsammlung »Die Untergegangenen und die Geretteten«, mit der Levi im Jahr vor seinem Tod ein letztes verzweifeltes Resümee seiner KZ-Erfahrungen zog und den paradoxen Versuch unternahm, angesichts des Freitods seines »Barackenkameraden« Jean Améry 1978 in Salzburg sich seiner selbst zu versichern und gleichwohl mit selbstzerstörerischer Konsequenz die Schäden zu ermitteln, die Auschwitz in ihm angerichtet hatte.  

Noch einmal hat Levi sich in seinem letzten Buch die Frage gestellt, die ihm seit 40 Jahren keine Ruhe ließ: »Sind wir die wir überlebt haben, imstande gewesen, unsere Erfahrungen zu verstehen und verständlich zu machen?« Und noch einmal hat er sie verneinen müssen. Keineswegs aber, weil er etwas versäumt und nicht etwa getan hätte, was überhaupt einem Menschen möglich ist, um den Anspruch, der in ihr steckt, zu erfüllen - seine Texte sind das Ergebnis einer ungeheuren Willensanstrengung, im »Meer vergangener und gegenwärtiger Leiden«, das ihn in Auschwitz umgab, nicht unterzugehen und die Qualen zu ertragen, die ihm seine Erinnerungen bereiteten -, sondern weil, was den Opfern in den Vernichtungslagern geschah, nicht mit-teilbar ist und die Menschen 'draußen' sich wirklich so verhielten, wie in jenem Angsttraum, der Levi schon in Monowitz ständig verfolgte: »Ein intensives, körperliches, unbeschreibliches Wonnegefühl ist es, in meinem Zuhause und mitten unter befreundeten Menschen zu sein und über so vieles berichten zu können. Und doch, es ist nicht zu übersehen, meine Zuhörer folgen mir nicht, ja sie sind überhaupt nicht bei der Sache: Sie unterhalten sich undeutlich über andere Dinge, als sei ich gar nicht vorhanden ... «  

Durch sämtliche Texte Levis zieht sich, sofern sie an seine Vergangenheit rühren, eine unüberbrückbare Kluft zwischen dem Willen, zu begreifen, und der Erfahrung einer dem Verstand sich verschließenden Welt, zwischen dem Wunsch, das Erlebte mitzuteilen, und dem Wissen um jene »durch keinerlei spätere menschliche Kommunikation auszugleichende Fremdheit in der Welt«, von der Améry schrieb, zwischen dem Bedürfnis, die traumatischen Kränkungen hinter sich zu lassen, und der Ahnung, daß »die Erinnyen, an die man schließlich doch glauben muß«, das Werk der Peiniger noch fortführen, »indem sie dem Gepeinigten den Frieden versagen«:  

Schon im Lager hat Levi festgestellt, »daß unsere Sprache keine Worte hat, diese Schmach zu äußern, dieses Vernichten eines Menschen«: »Ebenso wie unser Hunger nicht mit der Empfindung dessen zu vergleichen ist, der eine Mahlzeit ausgelassen hat, verlangt auch unsere Art zu frieren nach einem eigenen Namen. Wir sagen 'Hunger', wir sagen 'Müdigkeit', 'Angst' und 'Schmerz', wir sagen 'Winter', und das sind andere Dinge. Denn es sind freie Worte, geschaffen und benutzt von freien Menschen, die Freud und Leid in ihrem Zuhause erlebten« - und hat gleichwohl über vier Jahrzehnte sich gezwungen, in freien Worten zu sagen, was sich mit ihnen nicht ausdrücken läßt; immer wieder hat er sich bemüht, »gleich dem Wirken eines Chemikers, der wiegt und teilt, mißt, anhand sicherer Proben urteilt und sich befleißigt, eine Antwort auf das Warum zu geben«, dem Mechanismus der Tötungsmaschinerie ebenso auf den Grund zu kommen wie den Motiven ihrer Betreiber - und konnte doch übers Wie eines Überlebenskampfes nicht hinaus, dessen ungeschriebenes Gesetz bei Strafe des Untergangs gerade die Frage nach dem Warum verbot: »Warum?« - »Hier ist kein Warum«; er hat dem Zweck der individuellen Demütigungen sowohl als der immanenten Logik der Vernichtungspolitik bis ins Äußerste nachgespürt, bis dorthin, wo er selbst in der Ausrottung der Juden eine zwar »anmaßende Logik«, keineswegs aber »Wahnsinn« sah - und hat doch als einzigen Sinn der »sinnlosen Gewalt«, die in den Lagern herrschte, 'nur' ausmachen können, daß sie den Gewalttätern weitere und schließlich endgültige Gewalttaten ermöglichte: »Bevor das Opfer starb, mußte es erniedrigt werden, damit der Mörder das Gewicht seiner Schuld nicht so sehr spürte. Diese Erklärung entbehrt nicht der Logik, aber sie schreit zum Himmel: das ist der einzige Sinn sinnloser Gewalt«; er hat auf den »privilegierten Beobachtungsstand« hingewiesen, den beziehen mußte, wer einen zuverlässigen Eindruck vom Funktionieren der Lager gewinnen wollte - und hat gleichwohl darauf bestanden, daß gerade nicht die Minderheit derjenigen, die solche Privilegien ergatterten, »die wirklichen Zeugen« sind, sondern die »Untergegangenen«, »jene, deren Aussage eine allgemeine Bedeutung gehabt hätte. Sie sind die Regel, wir die Ausnahme«; und er hat Améry die »harten und unnachgiebigen Positionen« vorgehalten, die dessen »ganzes Leben nach Auschwitz« prägten, weil sie ihn unfähig gemacht hätten, »noch Freude im Leben oder vielmehr am Leben zu finden: wer sich mit der ganzen Welt auf einen 'Boxkampf' einläßt, findet zwar seine Würde wieder, aber er zahlt dafür einen sehr hohen Preis, weil er sicher sein kann, besiegt zu werden« - und hat doch sowohl selber erklärt, daß »nach Auschwitz ... Wehrlosigkeit nicht mehr zulässig (ist)«, als auch sehr genau gewußt, daß »das Gift von Auschwitz« auch in seinen Adern kreiste und, wie seine immerwiederkehrenden Träume ihm schmerzhaft klarmachten, eine Aussicht auf Heilung, auf Versöhnung mit einer Welt, die die Lager errichtet und zugelassen hatte, nicht bestand: »Ich sitze am Familientisch, bin unter Freunden, bei der Arbeit oder in einer grünen Landschaft - die Umgebung jedenfalls ist friedlich, scheinbar gelöst und ohne Schmerz.« Nach und nach aber »oder auch mit brutaler Plötzlichkeit löst sich im Verlauf des Traumes alles um mich herum auf; die Umgebung, die Wände, die Personen weichen zurück. ... Dann ist ringsum alles Chaos, ich bin allein im Zentrum eines grauen wirbelnden Nichts; und plötzlich weiß ich, was es zu bedeuten hat - und ich weiß auch, daß ich es immer gewußt habe: ich bin wieder im Lager, nichts ist wirklich außer dem Lager.«  

Primo Levi ist, wie Jean Améry, »nicht mehr heimisch« geworden in der Welt, weil »die Schmach der Vernichtung ... sich nicht austilgen (läßt)« (Améry), weil »die Spuren der Versündigung für immer in uns bleiben würden, in der Erinnerung derer, die es miterlebt haben« (Levi), und weil die Wirklichkeit, die ihn umgab, von der Wirklichkeit, an der er starb, nurmehr insofern Notiz nahm, als sie diese verleugnete. Wir aber, die wir unendlich fern von jenem 'univers concentrationnaire' leben, dem Levi schließlich doch nicht hat entkommen können, sollten uns davor hüten, seine Texte auf eine Art uns kommun zu machen, wie dies, eben bloß in bester Absicht, die Verantwortlichen des Verlags unternahmen, der Levis Texte in der Bundesrepublik herausbringt (und dem dafür immerhin Dank gebührt). Sie haben die Neuauflage des Auschwitz-Berichts nicht nur in ihre sehr bunte »Bibliothek der Erzähler« einsortiert und an die Stelle des vom Autor zum »wesentlichen Bestandteil des Buches« erklärten ursprünglichen Vorworts ein Kapitel aus seinem letzten, 40 Jahre später entstandenen Werk gesetzt, das den nachfolgenden Text zu relativieren scheint - sie haben vor allem auf den Schutzumschlag den folgenden Satz drucken lassen: »Man liest ein paar Seiten und weiß im selben Moment, daß es eine heimliche, unausgesprochene Verwandtschaft gibt, die Autor und Leser verbindet.«  

Ebendiese heimliche Verwandtschaft hat auch jener Dr. H.T. aus Hamburg in sich gespürt, der Levi 1962, nach der Lektüre von »Ist das ein Mensch?«, brieflich davon unterrichtete, daß die Deutschen von Hitler zwar hinters Licht geführt worden seien, weil sie »seinen schönen Worten« geglaubt hätten, daß jedoch »niemals... zur ganzen Hitlerzeit bis zum Ende ein einziger Fall spontaner Schmähung oder Angriffs auf einen Juden bekannt geworden (ist). Immer nur - sehr gefährliche Hilfsaktionen«, und der deshalb meinte, familiär werden zu dürfen: »Lieber Herr Dr. Levi, so darf ich Sie einmal nennen, denn wer Ihr Buch gelesen hat, muß Sie lieb haben.«
 


 

 

Zurück

Ins Archiv

Ins Archiv der konkret-News geht es hier entlang.