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Kann Spuren von Empathie enthalten

03.03.2017 11:10

Lesen, was Veganer nicht wissen wollen: Christian Vagedes, Herausgeber des „Veganmagazin“, möchte nicht in die rechte Ecke gestellt werden. In konkret 2/17 war zu lesen, dass er den szenebekannten Querfrontaktivisten Gérald Hägele auf einer von seinem Magazin organisierten Tierrechtsdemonstration geduldet hatte. Auf Nachfrage einer Kritikerin zur Tolerierung von Rechten auf Demos und in veganen Kreisen betonte Vagedes, ein Ausschluss von „Andersdenkenden“ verstoße gegen „Demokratie und Menschenrechte“. Wie man sich selbst am besten in die rechte Ecke stellt, bewies Vagedes, indem er der Kritikerin vorwarf: "Die faschistoiden Methoden finden sich zum Beispiel auch in Deinen Freisler-mäßigen Fragestellungen. Deine penetrante Intoleranz und Besserwisserei widert mich an."

Die bisherige Diskussion, insbesondere auf Facebook1, hat gezeigt, dass weite Teile der Szene und ihre prominenten Vertreter/innen an einem öffentlichen Diskurs über Querfrontler/innen in der Szene, die große Geldmacherei mit veganen Produkten und die Einpassung des Veganismus ins kapitalistische System nicht interessiert sind.

Von Mira Landwehr


»Mein unerschütterlicher Glaube an die Dummheit des Tieres Mensch hat mich nie enttäuscht und ist mir im Lauf des Lebens oft zustatten gekommen.«
Arthur Schopenhauer

 

Unpolitisch korrekt

Veganer Lifestyle ist in: Vegan macht fit, gesund, schön, schlank, sexy und potent – so die Versprechen der Vermarktungsmaschinerie, und den hippen Selbstoptimierungsopfern geht bei jedem neuen »Superfood« einer ab. Die Schattenseite des Hypes liegt in einer Entpolitisierung dessen, was Veganismus sein könnte.

In bewusster Abgrenzung zum Vegetarismus (als reiner Ernährungsweise) schlug 1944 der Engländer Donald Watson das aus vegetarian destillierte Kunstwort vegan vor, das gleichzeitig Beginn und Ende des Vegetarismus enthält und damit moralisch über ihn hinausweisen sollte. Diesen Grundgedanken vertritt die damals von Watson gegründete Vegan Society heute noch – sie definiert den Begriff so: »soweit wie möglich und praktisch durchführbar, alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an Tieren für Essen, Kleidung oder andere Zwecke zu vermeiden«. Fundamentale Gesellschaftskritik sieht freilich anders aus; die Entscheidung für eine vegane Ernährung oder Lebensweise ist hier vor allem eine persönliche, mithin hedonistisch-egoistische, die politisch folgenlos bleibt.

Nicht zu verwechseln ist die Vegan Society mit der 2010 gegründeten Veganen Gesellschaft Deutschland (VGD). Christian Vagedes, der erste Vorsitzende und begeisterte Rudolf-Steiner-Apologet, richtet mit der Kölner Produktmesse »Veganfach« »das vegane Lifestyle-Event für alle« aus (2016: 5.000 Besucher/innen). Außerdem gibt er das als »ganzheitlich« angepriesene »Veganmagazin« heraus und vertreibt unter dem Label Bedda ein paar Käse-Alternativen. Bedda wie auch die Messe und das Magazin laufen unter dem Dach seiner Firma Ethiconomy Services.

Das »Veganmagazin«, dessen Zielgruppe jung, weiblich, gesundheits- und modebewusst, esoterikaffin und überdurchschnittlich kaufkräftig sein dürfte, fällt neben grottenschlechter Rechtschreibung besonders durch ungekennzeichnete redaktionelle Werbung und die Reproduktion gängiger Schönheitsideale auf. Die Kolumnen muten wie hingerotzte Facebook-Postings an, Mimimi inklusive. Eine »Brigitte« für Veganerinnen, die ihren Leserinnen vor allem vermittelt, dass eine vegane Lebensweise nichts mit Verzicht zu tun hat und Shopping die Welt verbessert. Tiere kommen auch irgendwo vor.

Die VGD will sich als unpolitischer Verein verstanden wissen: In einer Positionsbestimmung heißt es, sie sei »weder links noch rechts«, sondern vielmehr »grün, liberal, christlich, sozial, demokratisch, teilweise konservativ und zugleich fortschrittlich«. Da ist für jede/n was dabei! Außer für diese absonderlichen radikalen Tierbefreier/ innen, aber die haben eh keine Kohle und sind als Adressaten daher uninteressant. (Der Begriff Tierbefreiung geht hier über das in der Bewegung kontrovers diskutierte praktische Befreien von Tieren aus Gefangenschaft, etwa Versuchslaboren, Pelztierfarmen usw. hinaus. Matthias Rude betont in seinem Buch Antispeziesismus, dass es »einen grundsätzlichen Unterschied« mache, »ob eine Bewegung Rechte für Tiere im Rahmen des bürgerlichen Staates fordert oder ob sie anstrebt, die Herrschaft des Kapitals und damit den ihr korrelierenden bürgerlichen Staat selbst zu überwinden, um eine befreite Gesellschaft zu schaffen, deren Verwirklichung die Beendigung des Ausbeutungsverhältnisses gegenüber den Tieren miteinschließt«.)

Fleischersatzmarkt

Von Interesse ist hingegen – nicht nur für Herrn Vagedes – der lukrative Absatzmarkt, der auf dem Wunsch nach einem besseren Konsumgewissen sowie der Suche nach einem optimierten Bewusstsein fußt. Die Branche kokettiert mit den Werbeworthülsen Gesundheit und Nachhaltigkeit: Ethisch vermeintlich korrekterer Konsum, den sich die Fleischesser, die Regenwaldzerstörer, die sozial und finanziell Abgehängten, die Verachteten nicht leisten (können), katapultiert die Warenabnehmer/innen direkt auf eine höhere Entwicklungs- und Seinsstufe und macht sie allen, die nicht ebenso bewusst shoppen, moralisch überlegen. Geht man aber beim Kauf von Sojaschnitzel nicht den gleichen Ablasshandel ein wie beim regional aufgezogenen Biorind? Die Ersatzprodukte kommen ja nicht aus dem Nichts – und warum ist da eigentlich soviel Hefeextrakt und Mineralöl drin?

Die Transformation einer herrschaftskritischen Gegenbewegung in eine kapitalismuskonforme Konsumform haben Adorno und Horkheimer im Kapitel zur Kulturindustrie der Dialektik der Aufklärung beschrieben. Die vormalig rebellische Bewegung verkehrt sich in ihr Gegenteil: Sie mutiert zum Stabilisator des Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnisses; Kritik wird obsolet. Die Fair-Trade-Branche hat diese Transformation bereits weitgehend durchlaufen (ebenso wie die ökologische Landwirtschaft), wie Tomasz Konicz in konkret 7/16 dargestellt hat. Das gleiche passiert derzeit mit dem Veganismus.

Drei Beispiele: Der traditionsreiche Tier-zu-Wurst-im-eigenen-Darm-Verarbeiter Rügenwalder Mühle bietet seit 2014 vegetarische und seit einiger Zeit auch vegane Produkte an; die fleischfreien Schnitzel machen inzwischen 30 Prozent der Gesamtproduktion aus. Das Franchise-Unternehmen Veganz, dessen Firmenchef Jan Bredack früher Manager bei Daimler war, listet über 4.000 hochpreisige Produkte für Besseresser und -verdiener und kooperiert mit den großen Einzelhandelsketten mit dem Ziel, kleine, unabhängige Veganläden kaputtzumachen. Und Vagedes? Dessen Imperium ist eng mit der Käsewirtschaft verflochten: Ende 2014 hat sich die Bigfood Group, der unter anderem das Hamburger Käselager angeschlossen ist, bei Vagedes’ Klitsche eingekauft, indem sie das Stammkapital zur Gründung einer GmbH lieferte. Seither fungiert der Bigfood-Chef Stefan Reese bei Ethiconomy als zweiter Geschäftsführer, und sein Prokurist Robert Schneck ist auch mit dabei.

Wer angesichts dieser Entwicklung jubelt – gar über die Macht der Konsumenten –, muss entweder blind oder einer ihrer Nutznießer sein. Explizit tierfreie Produkte sind prima, aber ihre alleinige Existenz ändert nichts an der Ausbeutung von Tieren, Menschen und Umwelt, sie ergänzen lediglich den bestehenden Markt: Vegetarische und vegane Produkte verzeichnen in Deutschland Zuwachsraten um 17 Prozent. Und clevere Fleischvermarkter wie der Rügenwalder-Chef Christian Rauffus schneiden sich ein ordentliches Stück von der Veggie-Wurst ab. Das bedeutet freilich nicht, dass nun weniger echte Wurst über die Theke wandert. Zwar ist der Pro-Kopf-Fleischkonsum der Deutschen seit einiger Zeit leicht rückläufig, die Produktion hat sich in den vergangenen zehn Jahren jedoch in Teilen der Branche verdreifacht. Auch auf diesem Gebiet ist die BRD Exportmeister – nicht zuletzt dank der sklavenhalterischen Arbeitsbedingungen, die in der Fleischindustrie Standard sind. Was hierzulande keinen Abnehmer findet, wird in Massen in andere EU-Staaten und nach China abgesetzt und zerstört einheimische Märkte in Afrika. Der Rest – etwa ein Drittel – landet im Müll oder wird zu Tierfutter.

Cultured meat ist mein Gemüse

In der aktuellen Ausgabe des »Veganmagazins« ist ein Interview mit dem Talkshow-Philosophen Richard David Precht zu lesen, der kürzlich ein 20 Jahre altes Buch über das Mensch-Tier-Verhältnis (Tiere denken, vormals: Noahs Erbe) überarbeitet und damit einen weiteren »Spiegel«-Bestseller fabriziert hat – mit Büchern zum Thema lässt sich momentan viel Geld machen. Reformistisch und gleichzeitig weltfremd kommen Prechts Überlegungen daher, die wenig glaubwürdig anmuten, da der Oberlehrer der Nation selbst weiterhin Tiere konsumiert – nicht alle, versteht sich. Oktopoden gehen zum Beispiel gar nicht, die hätten schließlich drei Herzen und ebenso viele Geschlechtsteile. Kühe, die nicht so reich ausgestattet sind, isst er schon ganz gern. Damit ist der Autor das beste Beispiel für das von ihm diagnostizierte schizophrene Verhältnis des Menschen zum Tier. Im »FAZ«-Interview spricht der Gott des Geschwätzes gar von Pflanzen als »sehr empfindsamen Lebewesen«.

Nach einer Abhandlung über die Verwandtschaftsgrade von Menschen, Menschenaffen und weiteren nahen und ferneren Arten setzt sich Precht ausführlich mit dem »Euthanasie«-Befürworter Peter Singer und seinem Tierethikkumpan im Geiste, Helmut Kaplan (»Zoos sind KZs«), auseinander. Kaplans Relativierung des Holocaust lässt Precht unkommentiert stehen. Die Verweise auf die alten Herren bringen Tierrechtsbewegten keine neue Erkenntnis; hingegen müssen Leute, für die das Thema neu ist, den Eindruck gewinnen, es handelte sich um die beiden wichtigsten Repräsentanten der Bewegung. Neuere philosophische Denkansätze diskutiert er teilweise verflacht und subsumiert alles mögliche unter Tierrechtsbewegung, ohne Namen zu nennen.

Weder begreift Precht, dass Zoos, Tierversuchslabore etc. Wirtschaftsunternehmen sind, noch, dass es im Verwertungsprozess des Kapitals kein Entweder-Oder gibt. Seine Überzeugung, dass Fleisch aus der Petrischale (cultured meat) jenes aus dem Schlachthaus ablösen werde, ist niedlich, aber falsch. Ebenso, wie Rügenwalder, Wiesenhof & Co. neben ihren Fleischerzeugnissen vegan-vegetarische Produktlinien einführen, wird das »Kulturfleisch« nur eine Ergänzung zum natürlich gewachsenen Fleisch sein. Schließlich lässt Precht den Leser, die Leserin mit der Idee einer irgendwo in der Zukunft verorteten »anthrozoologischen Verständnisgemeinschaft« zurück.

Rechte für Tiere

»Das Traurige … ist, dass es Tieren noch schlimmer geht als im Holocaust, weil sie ja nie frei gelebt haben. Sie werden ja extra darauf hingezüchtet, getötet und aufgegessen zu werden. Etwas Barbarischeres kann ich mir nicht vorstellen. Da ging es den Negern, den Juden und all den Behinderten und Krüppeln zur NS-Zeit noch viel besser.«

Das sondert der Betreiber der Frankfurter Rohkostbar Greenfoody und vormaliger stellvertretender Bundesvorsitzender der im April 2016 gegründeten V-Partei (Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer), David Ekwe-Ebobisse, in einem seiner Promotionvideos mit dem Titel »Legehennen, Holocaust und Eierwahnsinn« ab. In anderen Videos schwafelt er von Lichtnahrung und morphogenetischen Feldern und bringt auch noch die Ritualmordlegende unter. Der Parteivorsitzende Roland Wegner erklärt Ekwe-Ebobisses Äußerungen zur »Privatsache« und geizt selbst nicht mit fragwürdigen Zuschreibungen: Ekwe-Ebobisses »afrikanische Wurzeln machen ihn in Sachen ›Zusammenhang europäischer Massentierhaltung und Not/Elend/Umweltzerstörung in den Drittländern‹ zu einem … Experten«. Der Mann ist in Frankfurt aufgewachsen – aber seine »Wurzeln« liegen selbstverständlich in Afrika.

Derzeit sammelt die Partei Unterschriften, um zur anstehenden Wahl im Mai in Nordrhein-Westfalen zugelassen zu werden, und spätestens zur Legislaturperiode 2021 strebt sie den Einzug in den Bundestag an. Anlässlich der Parteigründung bezogen sich die V-Männer positiv auf den Erfolg der AfD. Ja, dann können Tierschützer/innen doch auch gleich die richtigen Nazis wählen, die sind schließlich fürs Schächtverbot.

Horst Wester, Bundesvorsitzender der Tierschutzpartei, ist vom gleichen Kaliber: »Wir haben viele Mitglieder, die weder links noch rechts sind, weil unser Hauptanliegen der Kampf für die Tiere ist.« Seine Partei hat bis heute kein Problem mit aus NPD und Freien Wählern rekrutierten Mitgliedern, erhält aber glücklicherweise nirgendwo nennenswerte Stimmanteile.

Der Tierrechtsverein Animal Peace bekennt unmissverständlich: »Unsere wirklich ernstgenommene politische Neutralität erlaubt auch Rassisten und Rechten, Partei für die Tiere einzunehmen.« Jüngst verstieg sich die erste Vorsitzende, Silke Ruthenberg, dazu, den Opfern des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz »sechs Millionen Terroropfer jährlich in Deutschland« entgegenzusetzen. Gemeint waren – Gänse. Die (falsche) Zahl war nicht zufällig gewählt. Menschenverachtung und Relativierung der Shoah sind fester Bestandteil der Agitation. Berater der nach eigenen Angaben 5.000 Mitglieder zählenden Organisation war jahrelang Helmut Kaplan, der schon immer gesagt hat, den Tieren sei es »egal, welche philosophischen, politischen oder religiösen Überzeugungen ihre Fürsprecher haben«.

Querfront-Projekte gibt es zuhauf in der veganen Szene, seit ihr nicht mehr das Spinnerlabel anhaftet und sie hip und cool geworden ist. Die rechten Tierfreunde wären dumm, wenn sie das offene Angebot der Hauptsache-für-die-Tiere-Fraktion nicht ausschlachten würden. Symptomatisch sind die 16.000 Mitglieder zählende Facebook-Gruppe Veganes Zeitalter (VZ) und ihre 20 regionalen und thematischen Untergruppen, in denen Iris Pasternack, eine Verschwörungsgläubige mit großem Sendungsbewusstsein, und ihre rechtsdrehenden Gesinnungsgenossen als Administratoren fungieren. Hier schließt sich der Kreis: In den Mitgliederlisten tummeln sich Vagedes, Wegner und Ekwe-Ebobisse; Holocaust-Relativierungen gehören zum guten Ton. Von Thomas Weiss, einem der Allround-Admins, der auch antisemitische Sprachcodes verwendet, stammt folgender Auswurf: »Wir alle wissen, dass faschistisches und nationalsozialistisches Gedankengut menschenfeindlich ist und unglaubliches Leid verursacht hat. Aber zeige mir bitte eine politische Ordnung, die besser war oder ist.«

Zusammen mit dem Reichsbürger und Verkünder der sogenannten New World Order (NWO), Gérald Hägele, bilden Pasternack und Weiss das Dreigestirn des VZ. Hägele arbeitet nicht nur für die vegane Sache, sondern auch als viriler Abschlepp-Coach und lässt sich keine Montagswahnmache entgehen. Beim Al-Quds-Marsch in Berlin war er ebenfalls mit von der Partie. Und auch auf der vom »Veganmagazin« veranstalteten und im Vorfeld als »politisch neutral« angekündigten »Demo gegen Tierquäler-Lobby« im Oktober 2016 hielt Hägele sein Protestschild in die Kamera. Im August nahm das Trio gemeinsam an der »Friedensfahrt Berlin-Moskau« teil, deren Organisatoren Owe Schattauer alias C-Rebell alias Die Stimme des Zorns und Rainer Rothfuß sich im Umfeld von Friedensmahnwachen, KenFM und Endgame, einer offen antisemitischen Pegida-Abspaltung, bewegen.

Wer im VZ Kontra gibt, wird vom Blockierwart entfernt (Zensur ist auch auf den Facebook-Seiten der V-Partei und der VGD gang und gäbe). Und die unpolitische Masse der Gruppenmitglieder? Postet Bilder ihrer Veggie-Schnitzel, anstatt sich zu fragen, wo die braune Soße herkommt und was die Verlinkungen zu Wundermitteln wie »informiertem Wasser«, Jürgen Elsässers »Compact« und Ken Jebsens Youtube-Kanal zu bedeuten haben. »Ich bin nur in der Gruppe wegen der tollen Rezepte« ist wie »Bild«-Lesen wegen der hervorragenden Sportberichterstattung.

Total Liberation

Die einer universellen Solidarität verpflichteten Tierrechtsaktivisten und Tierbefreier unter den Veganern haben es schwer. Sie finden vergleichsweise wenig Gehör und kämpfen an zwei Fronten gleichzeitig: gegen das System von der auf Ausbeutung und Gewalt basierenden Profitmaximierung auf der einen und die Instrumentalisierung ihrer Forderungen auf der anderen Seite. Christian Adam vom Münsteraner Verein Tierretter.de findet »es immens wichtig, dass Faschos, Rechten, Rechtspopulisten, Antisemiten, besorgten Bürgern … in der Bewegung kein Platz geboten wird. Tierrechte funktionieren nur mit Menschenrechten. Wie können wir Respekt und Gleichberechtigung für Tiere fordern und gleichzeitig Menschen aufgrund von Religion, Hautfarbe, Geschlecht oder sexueller Identität herabwürdigen?«

Wenn Veganismus zur Ware wird, verliert er jegliche politische Brisanz; vom System geschluckt und wieder ausgespien als das unerfüllte Versprechen, sich eine bessere, faire, tierleidfreie Welt einfach kaufen zu können. Gerechtigkeit lässt sich aber nicht kaufen, sie muss erkämpft werden. Befreiung wird kaum beim Tier beginnen, aber sie darf auch nicht beim Menschen enden. Und wird Veganismus nicht als Teil einer emanzipatorischen Bewegung verstanden, die alle Ausprägungen von Diskriminierung und Unterdrückung ablehnt, ist er keinen Pfifferling wert.

 

Richard David Precht: Tiere denken. Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen. Goldmann, München 2016, 512 Seiten, 22,99 Euro

Matthias Rude: Antispeziesismus. Die Befreiung von Mensch und Tier in der Tierrechtsbewegung und der Linken. Schmetterling, Stuttgart 2013, 204 Seiten, 10 Euro

Indyvegan.org nimmt rechte Querköpfe und ihre Strukturen ins Visier; dort finden sich auch Interviews mit Aktivist/inn/en zu Total Liberation.

 

Mira Landwehr lebt mit einem karnivoren Kater zusammen und bespricht auf ihrem Blog aufdemnachttisch.de vegane und emanzipatorische Kinderbücher

 

Es ist vollbracht, Wollt ihr den totalen Christian Vagedes?

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